Vlissingen nach Alderney – Abbruch und Kurs auf Dieppe

Nach wenigen Tagen Urlaub in Vlissingen geht es weiter zu den Kanalinseln. Wie in den vergangenen Tagen weht kaum Wind und wir kommen nur sehr langsam voran. Wenn die Strömung gegen uns drückt sind wir froh, wenn wir auf der Stelle stehen bleiben und freuen uns sechs Stunden später über die zwei zusätzlichen Seemeilen pro Stunde in Richtung Alderney. Nach einem Tag sind wir auf der Höhe von Dover, durchqueren die Schifffahrtsstraße und segeln an der Englischen Küste entlang. Als ich mich schon in die Koje gelegt habe, weckt mich Jan-Mathis etwas aufgeregt. Ich soll nach oben kommen, ein Schnellboot nähert sich uns. Als ich oben angekommen bin, sehe ich gerade wie ein offenes Schlauchboot mit drei vermummten, militärischen aussehenden Männern längsseits kommt. „Customs, Sir“ ruft es herüber und kaum habe ich das Steuer übernommen, sind schon zwei Einsatzkräfte an Bord. Alle möglichen Papiere werden begutachtet, flüchtig das Boot durchsucht und gefragt, ob wir illegale Waffen oder Drogen an Bord hätten. Nach ca. 30 Minuten geben sich die Beamten zufrieden und verlassen uns, wobei sie uns ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir a) aufpassen sollen, denn in zwei Tagen wird ein Sturm erwartet und b) wir uns von den gefährlichen Verkehrstrennungsgebieten fern halten sollen (zuvor hatten wir die Dover Strait nicht in einem rechten Winkel gequert, was unter Umständen mit hohen Geldbußen geahndet werden kann).
Zwei stunden später stehe ich auf um Jan-Mathis am Ruder abzulösen, wobei der Wind stark zugenommen hat und wir kurz darauf die Genua bergen müssen. Statt der Genua setze ich die Arbeitsfock, die wesentlich kleiner ist und für alle Eventualitäten der Nacht ausreichen sollte. Eine halbe Stunde später hat der Wind auf rund 30 Knoten zugenommen und das Schiff läuft in Böen aus dem Ruder, so dass ich immer wieder das Groß fieren muss. Mit Jan-Mathis Hilfe berge ich das Großsegel komplett und bemerke während dessen, dass die Genua, die an die Seite gebänselt war, größtenteils im Wasser hängt und Gefahr läuft zu reißen, die Reling zu Beschädigen oder sich im Ruder zu verfangen. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehrmaligem, tiefem eintauchen in die Wellen, komme ich mit der Genua zurück in die Blicht. Noch immer laufen wir volle Fahrt.
Nach dieser nervenaufreibenden Bergung lege ich mich bald schlafen und Jan-Mathis übernimmt das Ruder. Nach einer Stunde kommt ein Hilferuf von oben. Sofort sehe ich, was los ist. Der Windgenerator hängt am oberen Drittel nach unten. Gehalten wird er nur von den Kabeln und zwei dünnen Querstreben aus Metall, die eigentlich den Masten stützen sollten. Mit viel Mühe schaffe ich es, das obere Drittel des Mastes mitsamt Generator wieder korrekt anzubringen und versuche mit Hilfe eines Seils den Generator vor erneutem Sturz zu schützen. Nach einigen Stunden springt der Generator erneut nach oben und hängt wie zuvor nach unten. Nach einigen Versuchen den neuen Generator wieder auf seinen Masten zu bekommen gebe ich auf und binde ihn fest, um ihn vor starkem Schwanken zu schützen und gleichzeitig eine Verbindung zum Boot zu sichern. Der Grund für den herabhängenden Mast ist einfach. Eine besonders große Welle hebt das Boot nach oben. Als die Takamaka ins Wellental stürzt hebelt der Schwung den Generator nach vorne. Die Streben kippen mitsamt des Generators und des Mastes ein Stück nach vorne und schon ist die Verbindung zwischen den drei Stücken des Mastes herausgerutscht.
Nach einiger Zeit beschließe ich, den Plan nach Alderney zu segeln aufzugeben und falle ab Richtung Dieppe. Mit 6-8 Knoten Fahrt rauschen wir auf die Französische Stadt zu und kommen nach 5 Stunden dort an. Der Generator hängt müde und Krank an den Streben nach unten, die Takamaka ist komplett durchnässt, das Wetter wieder erheblich besser. Nach wenigen Stunden ist der Generator abgebaut und verstaut, die Segelklamotten sind zum Trocknen aufgehängt und wir atmen kräftig durch. Einen leckeren Salat, 500 g Nudeln und ein Glas Cola später sind wir beide wieder glücklich. Jan-Mathis hat seinen ersten Starkwind-Tag erfolgreich überstanden, der Generator weniger. Meine Gefühle sind an den Zustand der Takamaka angepasst – der einfachste Weg mich besser zu fühlen ist also das reparieren und trocknen des Bootes.

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