Mit Starkwind von Dieppe nach Alderney

Als wir in Dieppe verlassen besagt die Vorhersage sechs Windstärken aus westlicher Richtung, also genau gegenan. Im Hafen bleibt der Wind konstant unter 10 Knoten, nimmt aber konstant zu, je weiter wir uns vom Land entfernen. Erst nach einer Stunde entfaltet der Wind seine volle Stärke und ehe wir uns versehen haben wir steile, brechende Wellen und über 25 Knoten Wind gegen an. Auch wenn das Wetter sonnig ist, wird mir schnell klar, dass es eine ungemütliche Überfahrt nach Alderney sein würde. Dieppe
Da Jan-Mathis schon bei der vorigen Etappe mit Seekrankheit zu kämpfen hatte und das Boot erst seit kurzem trocken ist, entscheiden wir uns umzukehren und besseren Wind abzuwarten. Die Zeit in Dieppe verbringen wir mit einem Spaziergang durch Dieppe und am Strand. Der Strand ist von hohen, hellen Felswänden umsäumt und gibt dadurch trotz des schlechten Wetters ein malerisches Bild ab.
Als wir zwei Tage später auslaufen ist der Wind deutlich schwächer, wenn auch noch immer gegen an. Wasser kommt zu unserer Freude trotz fünf Windstärken kaum noch ins Boot. Die Ursache für den starken Wassereinbruch, eine undichte Wandt, konnten wir im Hafen schnell finden und mit Sikaflex abdichten.
Der Wind ist kalt und durchdringt innerhalb kurzer Zeit alle Schichten der Schwerwetterkleidung.
Starkwind vor AlderneyDurch Kälte, Müdigkeit und Nahrungsmangel ist für Jan-Mathis und dessen Magen schon bald die Grenze erreicht und wir sind froh, als wir uns nach einem Tag schon kurz vor Alderney befinden. Die Insel scheint greifbar nah, das GPS sagt weniger als sieben Seemeilen bis zum geschützten Bojenfeld vorher. Aber was ist das? Die Strömung schlägt um, die Fahrt aufs Ziel wird immer geringer.

Schon nach wenigen Minuten kreuzen wir rückwärts. Unseren Kurs von 260 Grad können wir laut Kompass zwar laufen, das GPS behauptet aber steif und fest, dass wir 70 Grad laufen und uns mit 0,5; 1; 2 nein sogar 3 Knoten von unserem Ziel entfernen. Segel bergen vor Alderney
Erst nach sechs Stunden wird die Strömung wieder mit uns gehen und so entfernen wir uns immer weiter von Alderney, dem ersehnten Ziel. Erst viele Stunden später laufen wir in Alderney ein. Kurz vor der Hafeneinfahrt nehme ich die Segel runter.
Aber was ist das? Der Motor lässt sich nicht starten. Zweiter Versuch. Kein Mucks. Nicht einmal die Lämpchen und Anzeigen leuchten. Zum Glück haben wir eine Parallelleitung der Verbraucherbatterien zum Motor gelegt, um bei Bedarf über diese starten zu können. Rasch den Schalter umgestellt und siehe da, der Motor springt ohne Probleme an. Erleichtert finden wir einen Liegeplatz an einer äußeren Boje im Hafen.
Wie sich nun herausstellt, hat sich der Pluspol der Starterbatterie gelöst, zu unserem Glück keinen Kurzschluss ergeben und liegt neben der Batterie.
Bald sind Waschsachen, Duschzeug, Handy und Geldbeutel eingepackt und wir setzen mit dem Wassertaxi zur Insel über. Einige Stunden später, die wir unter der Dusche, mit Wäsche waschen und einem Spaziergang über die Insel verbringen, kommen wir erschöpft am Boot an. Die Boje ist schrecklich unruhig, die Wellen reißen immer wieder an den Seilen und die Strömung lässt das Boot quer zur Wellenrichtung liegen, was dafür sorgt, dass wir trotz des Hafens deutlich unruhiger schlafen als auf See. Als der Hafenmeister am kommenden Morgen 15 Pfund für diese exquisite Boje verlangt muss ich mir einen Kommentar verkneifen und bezahle mürrisch das Liegegeld. Dennoch: Die Kanalinseln bleiben für mich ein ganz besonderer Ort voller Landschaftsidylle und dem Gefühl, man würde durch die Zeit zurück reisen.

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