Porto – Porto Santo/Madeira: Reisebeginn und Abschied von Europa

Die Takamaka ist mit zahlreichen Wasserflaschen, Nudeln, Reis und Müsli beladen als wir den Hafen verlassen. Etwas ängstlich blicke ich zurück auf die Hafenmauer und mir wird klar: Ich verlasse den europäischen Kontinent das erste mal mit dem Boot, trenne mich von ihm für ein Jahr und beginne meine Auszeit nach dem Studium. Erst nach und nach mache ich mir die Bedeutung dieses Ablegens, dieses Augenblickes bewusst und schaue gleichzeitig ängstlich nach vorn. 606 Seemeilen offener Atlantik, was geschätzt 6 Tage Überfahrt bedeutet, erwartet uns.
Obwohl das Wetter ruhig ist und der Wind um die 3-4 Beaufort hat, meldet sich schon nach kurzer Zeit Franzis Seekrankheit zurück und schlägt stärker zu als ich es je zuvor erlebt habe. Für zwei Tage verweigert sie die Nahrungsaufnahme und trinkt weniger als einen halben Liter. Sie schläft durchgehend und die Tabletten gegen Seekrankheit helfen nicht. Clarissa übersteht die Atlantikdünung glücklicherweise ohne Probleme und unterstützt mich tatkräftig dabei, Franzi immer wieder zum trinken zu ermuntern oder ihr einzelne Stückchen einer Banane anzubieten. Um Frannzis Gesundheit nicht zu gefährden kleben wir ihr am zweiten Tag ein Pflaster gegen Seekrankheit hinters Ohr und gehen damit das Risiko der teilweise starken Nebenwirkungen ein. Bereits wenige stunden später geht es ihr besser und bis zu unserer Ankunft sollte die Seekrankheit verbannt sein.
Das Wetter segnet uns anfangs mit vier Beaufort achterlichem Wind und beschert uns Tagesetmale von 125 und 110 Seemeilen in den ersten Tagen. Dann dreht der Wind rasch und steht gegen uns. Bei 15 bis 25 Knoten Wind wird das segeln unruhig und nass. Wir sind alle überrascht, wie warm es ist und sitzen die meiste Zeit im T-Shirt draußen.
DelfineGelegentlich bekommen wir Besuch von einigen Delfinen, die spielend ums Boot schwimmen und kühne Sprünge vollführen. Das Wasser ist sauber, warm, dunkelblau und unvergesslich schön. Als der Wind zwischendurch abflaut bekommen wir zwei mal die Gelegenheit ins Wasser zu springen. Ein tolles Gefühl. Lediglich die Badeleiter, die ich mir im Internet bestellt habe scheint absolut untauglich zu sein. Zwar kommen wir alle gut zurück an Bord, ein erschöpfter Schwimmer oder ein Überbord gegangener Mitsegler jedoch hätte schon bei wenig Welle kaum eine Chance. Auf den Kanaren muss dringend eine besser Befestigung oder eine neue Leiterkonstruktion gefunden werden.
Als in der Dämmerung des fünften Tages eine Front auf uns zuzieht, dreht der Wind und wir können endlich wieder Kurs laufen. Die Stimmung ist anfänglich besser, als jedoch Wetterleuchten über uns anfängt, dunkle Wolken und starker Regen über uns hinwegziehen, sinkt die Stimmung merkbar. Auch am folgenden Tag können wir nur bedingt unseren Kurs laufen und sehnen uns danach in einem Hafen auf Madeira oder Porto Santo zu liegen.
Am sechsten Tag macht sich Flaute breit, wir holen die Gitarre heraus und ich mache meine ersten Erfahrungen mit diesem Instrument, das ich im kommenden Jahr erlernen will. Am Abend genießen wir das Meeresleuchten von Plankton und einen malerischen Sonnenuntergang. In diesem Moment bin ich mir wieder sicher: Ich bin genau dort wo ich sein sollte, dort wo ich hingehöre.
Als am morgen des siebten Tages Porto Santo in Sicht kommt, ist die Stimmung heiter. Die Insel scheint äußerst wenig zu bieten (und tatsächlich verlassen wir das Hafengelände nur um an dem wunderschönen, feinen Sandstrand spazieren zu gehen) aber der Hafen sieht solide und ruhig aus.
Porto SantoIm Hafen angekommen beginnen wir alles an Bord zu trocknen, Decken, Matratzen, Klamotten und alles Andere wird an Deck ausgebreitet, die Lüfter mit Sikaflex gedichtet (wobei einer der beiden Lüfter nur noch weiter kaputt geht und bei der nächsten Gelegenheit ersetzt werden sollte) und aber vor allem genießen wir eine herrlich warme Dusche mit Süßwasser und perfektem Wasserdruck in den Sanitäranlagen des Hafens. Ein bereits verlorengeglaubtes Gefühl!
Frisch geduscht bekommen wir Besuch von einem Nachbarboot. Einer der Eigner stellt sich als Igor vor. Er ist Engländer und – wie der Zufall es will – ebenfalls mit einer Albin Ballad auf großer Tour. Wir verbringen einen netten Abend mit ihm und Matt, einem weiteren Eigner, wobei zahlreiche Geschichten und Tipps über die Ballad ausgetauscht werden. Ein Toller Tag neigt sich dem Ende zu und am folgenden soll es schon weiter gehen nach Madeira Grande, wo es deutlich touristischer zugeht und die Landschaft wunderschön sein soll.

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2 thoughts on “Porto – Porto Santo/Madeira: Reisebeginn und Abschied von Europa

  1. Joerg D says:

    Hey Jonathan,
    neben allen pos. Wünschen die Du erhältst,Eindrücken die Du sammelst und dankenswerterweise niederschreibst, erlaube ich mich eine minimale Anregung zur Optimierung Deiner Doku:
    Ist es möglich, dass Du hier und dort ein Datum in Deinen Bericht mit aufnimmst?
    Unabhäng davon, weiter so mit Deinen offenen Texten bzw. Beschreibungen!
    Beste Grüße aus dem nunmehr doch kühl werdenden Deutschland, vor dem Kamin sitzend,
    Joerg

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