Teneriffa und La Gomera – Schnorchel und Wanderparadies

In Las Galletas angekommen beginnen wir gleich mit dem Trocknen des Innenraumes. Alle Matratzen müssen raus. Unter Deck riecht es muffelig. Die Seekarten, einige Bücher, Kartenspiele, Klamotten, Decken, Kissen…alles ist nass. Am Abend des ersten Tages sieht das Boot noch immer wie ein Schlachtfeld aus. Quer übers Deck verteilt und unter Deck im Zickzack auf Wäscheleinen aufgehängt versuchen wir die letzten Kleider zu trocknen, die Franzi in wenigen Stunden in ihrem Rucksack ins Flugzeug schleppen muss. Zur Belohnung für die harte Überfahrt gibt’s allerdings auch Internet und anschließend leckeres Essen im Restaurant direkt am Hafen – mit 180° Aussicht aufs Meer und 180° auf die Berge hinter dem Städtchen.
Als Franzi früh morgens in den Flieger steigt und gen Heimat fliegt, fällt uns der Abschied allen schwer. Gemeinsam finden wir das Taxi, das nicht wie verabredet vor dem Marina Büro, sondern hinter einer verschlossenen Schranke, einen halben Kilometer entfernt, wartet. Wenige Minuten später sind wir allein.
Als wir gerade in der Stadt einkaufen wollen, was, angesichts der Arbeitszeiten in Spanien (9-12, 17:30-20:30), kurz nach Mittag kaum möglich ist, erreiche ich meine Großtante Ruth. „Gerade bin ich am Essen kochen, das reicht leider nicht für uns alle. Wollt ihr nicht in zwei Stunden zu Kaffee und Kuchen kommen?“ – Natürlich wollen wir! Um 16 Uhr treffen wir Ruth und Urs am Hafen, wo sie uns abholen und zu ihrem nahegelegenen Haus bringen. Köstlicher Kuchen, leckerer Kaffee und zahllose Geschichten warten auf uns. Am Abend steht fest, wir übernachten bei unseren Gastgebern im Gästezimmer. Ein Bett! Welch ein Luxus.
Urs fährt uns noch etliche Male zum Boot und zurück, zum Angelladen, zu Lidl, zum Baumarkt und zum Bootszubehör-Laden. Wir übernachten mehrere Nächte, waschen all unsere Wäsche und werden sogar zum Essen in die Berge eingeladen. Kurz: Wir genießen alle Vorzüge, die man sich im Urlaub nur vorstellen kann und haben jeden Tag mehr Spaß als am vorherigen. Nach drei Tagen müssen wir wieder zurück zur Takamaka, weiter das Boot trocknen, reparieren und schnorcheln wollten wir ja auch noch! Der Abschied fällt schwer und ich weiß, den Luxus eines so bequemen Bettes werde ich in den nächsten Monaten wohl kaum mehr genießen.
Schwammartiges Lebewesen beim SchnorchelnAm Boot angekommen, holen wir das versäumte nach. Beim Schnorcheln entdecken wir zahlreiche Fische, die in allen erdenklichen Farben schimmern und strahlen. Außerdem ist das Wasser angenehm kühl zu den sonst vorherrschenden 25-30° C, die der Sahara-Wind Kalima mit sich bringt.
Der Wind frischt auf, am nächsten Tag soll es nach La Gomera gehen. Hart am Wind brechen wir auf. Kurs: San Sebastian, die Hauptstadt Gomeras und gleichzeitig die einzige Marina. Dort angekommen, müssen wir schon wieder eine Matratze trocknen. Den neuen Lüfter konnten wir in Las Galletas nicht besorgen und müssen vorerst weiter mit der Schwimmweste als Lückenfüller leben. Das Städtchen bietet kleine, individuelle Läden im Stil Gomeras. Geckos, bunte Tücher, Röcke und Touristenkram werden angeboten. Der passende Lüfter ist auch hier nicht aufzutreiben, dafür finde ich allerdings einen Ersatz für das defekte Radio, das Clarissa, wegen der fehlenden Musik, in die Trübseligkeit getrieben hat. Den Abend verbringen wir bei unseren kanadischen Nachbarn an Bord, die mit einem 7,6 Meter langen Boot und viel weniger Ausrüstung über den Atlantik bis nach Montreal, Kanada, fahren wollen. Ankerbucht Chinguarime mit FelsentorIm Anschluss geht es für uns weiter nach Chinguarime, einer Bucht in der sich seit vielen JahrenVor Anker in Chinguarime Hippies sammeln, um dort in Höhlen zu campen. Im Sommer noch waren Mutter, Stiefvater und Schwesterchen hier und haben für mich einen Euro unter einem angemalten Stein versteckt. Voller Begeisterung durchsuchen wir die Höhle bis wir den Stein gefunden haben. Etwas von Sand bedeckt lag er in der Ecke einer besonders bunt gestalteten Höhle, in welcher ich schon als Jugendlicher einmal war.
Wir schnorcheln in der Bucht und entdecken lange, bunte Fische, die oft senkrecht schwimmen und wie Fischstäbchen aussehen. Als ich gerade sehr nah an einen solchen Fisch herantauche, sehe ich die Fischflosse eines großen Fisches am Boden schimmern. Etwas angeekelt frage ich Clarissa, ob ich sie Schnecken mit Bewohnernanfassen solle. Ich tauche hinab, strecke meine Hand aus und bemerke, dass dies keine Flosse, sondern eine Muschel ist. Ca. 25 cm groß, liegt eine tote, etwas abgeschlagene Muschel im Sand zwischen den Steinen. Wunderschön. Diese Muschel muss mit uns auf Reise gehen!
Als wir durch ein Felsenloch tauchen möchten, reißt eine große Welle Clarissa ins Wasser und über die Steine.
 Leuchtende FischeDie kurze Unachtsamkeit beim Einstieg wird durch einen kräftigen blauen Fleck und tiefe Kratzer bestraft, ansonsten geht es ihr zum Glück gut. Wir finden eine weitere Muschel und kurz darauf zwei schöne Schneckenhäuser, die wir jedoch, wegen ihrer kleinen Bewohner, bald wieder in die Freiheit entlassen müssen. Beim Boot angekommen, gibt es erstmal Zwieback mit Avocado und Zitrone zur Stärkung und eine ausführliche Betrachtung des Fleckes, der immer weiter zu einer dicken Beule wird.
Wir verlassen das Tal für eine längere Wanderung bei sengender Hitze, klettern auf ein Plateau und wandern auf einem schmalen Pfad ins Landesinnere. Nach etwa einer Stunde kommen wir an eine eingestürzte Hütte. Die Mauern scheinen gut erhalten und sind aus aufeinander gestapelten Steinen. Das Dach wird gestützt von alten, verkrümmten Baumstämmen mit zahlreichen Astlöchern, auf denen ein Balken quer liegt. Die Palmwedel und die sorgsam darauf verteilten Dachziegel sind zur Hälfte heruntergebrochen und liegen wild in dem Stroh, das den Boden auspolstert. Besonders die Baumstämme haben es uns angetan. Zu gerne würden wir einen solchen Stamm in Deutschland erwerben und wir geben uns den Gedanken hin, was man damit schönes erschaffen könnte.
Nach einigen Minuten im Schatten, einigen weiteren MinutenEingestürztes Haus mit Wunderschönen Balken als Stütze für den Dachstuhl bergauf, kehren wir bald um. Das allein gelassene Boot, die sengende Hitze und der abzweigende Weg, den wir nicht finden, lassen die Motivation schwinden. Eine gefühlte Ewigkeit später sind wir, sichtlich erschöpft, am Strand angekommen. Zum Boot schwimmen, das Beiboot holen, Clarissa einsammeln, gute Nacht!
Nach einem Stopp in Santiago kommen wir im Valle Gran Rey an. Nach zwei Nächten ohne Dusche erhoffen wir uns hier mehr – und lernen rasch, dass wir besser in Santiago geblieben wären. Duschen und Toiletten gibt es hier keine. Wir liegen an einem rauen Betonpier, die Festmacher scheuern über die Kante. Der Wind nimmt rasch zu. Immer wieder rollen Böen von 30 – 40 Knoten über das Boot hinweg. Das Boot reißt immer wieder kräftig an den Leinen, die wir alle paar Stunden nachführen müssen. Am folgenden Tag erfassen wir sogar Böen über 55 Knoten. Bei einer Wettervorhersage von maximal 30 Knoten sind wir unangenehm überrascht und dennoch froh im Hafen zu liegen. Steinchen fliegen durch die Luft. Plötzlich stellen wir fest, dass ein Segelboot hinter uns eingelaufen ist. Die dreiköpfige Crew berichtet, dass der Wind erst kurz vor dem Hafen auf rund 40 Knoten aufgefrischt habe und davor angenehm zu segeln gewesen sei. Der Düseneffekt, über welchen in allen Revierführern berichtet wird, existiert also tatsächlich. Wegen des starken Windes und des Tidenhubes trauen wir uns immer nur kurz in die Stadt und können die netten Läden nur wenig genießen. Immerhin einige Postkarten, ein Tuch und Lebensmittel finden wir bei unseren Ausflügen.
Weitere Bilder in der Galerie:

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