Rückweg nach Teneriffa

Kaum haben wir El Hierro verlassen, weht böiger Wind in unsere Gesichter. Sobald das Großsegel gesetzt ist, müssen wir bereits reffen. Eine Stunde später ist so wenig Wind, dass wir die große Genua auspacken und das Groß ausreffen. Abends dann wieder die Genua runter, Fock setzen und Groß reffen. Am folgenden Tag widerholt sich das ganze Prozedere. Als wir endlich bis Gomera gekreuzt sind und uns der Nordküste nähern, die durch einzigartige Basaltformationen, die sogenannten „Los Organos“,  geschmückt ist, steigt der Wind wieder auf bis zu 35 Knoten an. Innerhalb weniger Minuten von 5 auf 35 Knoten? Ich beschließe, dass wir über den Süden nach San Sebastian fahren und erspare uns damit das mühsame Kreuzen – leider aber auch die Felswände an der Nordküste.
Einige Stunden später laufen wir während des Sonnenuntergangs in San Sebastian ein und erfreuen uns an dem ruhigen Hafen, den Duschen und Cocktails in einer nahegelegenen Bar. Eigentlich wollen wir direkt am kommenden Tag weiter nach Teneriffa, die Begegnung alter Freunde aus Kanada, die wir bereits zuvor in San Sebastian kennen gelernt haben, lässt uns jedoch verweilen. Abends werden Bierflaschen geöffnet, die Gitarre gezückt und Stunden lang gespielt und gesungen. Zu meinem Glück lerne ich so auch Samuel kennen, der bei JB und Marie zugestiegen ist und in den vergangenen Jahren viel an der Ostküste Kanadas und in Grönland mit einem Forschungssegelschiff unterwegs war. Samuel erzählt mir so manch Wissenswertes über die Kanadische Küste, empfiehlt mir möglichst früh nach Grönland zu queren (da es dort früher eisfrei sei) und nennt mir einige gute Liegeplätze, Häfen und Sehenswertes. Es ist bereits nach Mitternacht als unsere Wege sich trennen und bereits am frühen Morgen wollen Clarissa und ich aufbrechen.
Etwas spät, gegen acht Uhr, stehen wir auf, richten das Boot und wollen ablegen. Der Wind ist böig, jedoch nicht zu stark im Hafen. Dennoch bleiben wir mit einem Fender an einem Stahlseil unseres Nachbarschiffes hängen. Mit einem kräftigen Ruck wird das Boot aufgestoppt. Clarissa hebt den Fender an, die Relingsstütze und ihr Fuß sind jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen. Ansonsten passiert zum Glück nichts Weiteres und wir können den Schock rasch beim Dieseltanken verdrängen.
Obwohl wir in den ersten Stunden mit über sechs Knoten auf Teneriffa zurauschen, zieht sich die Überfahrt am Ende in die Länge. Der Wind nimmt ab, dreht und weht nun aus Osten. Wir wollen doch nach Osten – was soll denn das?! Als plötzlich einige Wale, wir schätzen Pilotwale, neben uns auftauchen und uns eine ganze Weile begleiten, ist der schlechte Wind rasch vergessen. Wir dümpeln Stunden lang Richtung Osten, mal mit Motor, mal unter Segeln und erst bei der nahenden Dämmerung entschließen wir uns nach Las Galletas zu segeln und Santa Cruz nicht zu besuchen, um zumindest eine ruhige Nacht im Hafen zu haben. Von Las Galletas aus wollen wir ein Auto mieten, um unsere Takamaka mit neuen Ersatzteilen zu versorgen und zu reparieren.

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