Teneriffa – Sal: Mehr als die Hälfte ist geschafft

Während wir auf Jojo warten, haben wir einige Tage Zeit das Boot auf Vordermann zu bringen. Die Relingsfüße und einen dickeren Bügel für die Sprayhood lassen wir uns schweißen, Relingsstützen gerade biegen, die Sprayhoodnähte überarbeiten (am Fenster ist bereits eine gerissen) eine neue Winschkurbel und fünfzig Meter Festmacher werden gekauft. Zu guter Letzt flicken wir das Loch des ehemaligen Lüfters mit einem Schneidebrett. Rund ausgeschnitten, von sechs Schrauben im Deck gehalten und durch drei Ringe Sikaflex Kleber gedichtet. So soll das fünf Millimeter dicke Plastikbrett unser Boot abdichten. Als Jojo zu uns stößt ist das Boot beinahe fertig zur Abreise. Um zumindest einen kurzen Eindruck von Teneriffa zu vermitteln, fahre ich meine Mitsegler um fünf Uhr morgens auf den Teide, den höchsten Berg Spaniens. Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir auf über 2000 Meter Höhe angekommen. Es ist kalt, windig und feucht. Ganz anders als im Süden der Insel, wo man die Hitze kaum ertragen kann. Die beiden bleiben etwas geschockt im Auto sitzen bis die Sonne aufgegangen ist, dann brechen sie auf um vier Stunden lang nach oben zu wandern und im Anschluss per Seilbahn zurück zu fahren.
Während meine Mitsegler den Teide erklimmen, bereite ich die Takamaka auf die nächste Überfahrt vor. Verstaue alles unnötige, klebe Wandten ab, installiere die frisch reparierte Reling und bringe den Leihwagen zurück. Als die Beiden am Nachmittag zurück kommen, staunen sie nicht schlecht. Clarissa sagt etwas wie „so gut sah das ja noch nie aus“ und ich gebe ihr voller Zufriedenheit recht.
Am folgenden Tag suchen wir die gesamte Insel nach Gasflaschen ab und werden tatsächlich fündig. Nachdem wir 20 mal von links nach rechts geschickt werden, stehen wir vor einem riesigen Gas-Umfüll-Werk. Eine kleine Klingel wird an der verschlossenen Pforte gedrückt und die Stimme am anderen Ende sagt „Gas? Ja das können wir auffüllen! Einen Moment bitte!“ und nach 15 Minuten des Wartens ist es tatsächlich so weit. Ein Gabelstabler fährt vor, wir laden unsere zwei 3,3 Liter Kartuschen darauf und warten weitere fünf Minuten. Zehn Euro, vier Stunden des Suchens und einige Nerven. Soviel kostet unser Gasvorrat für die nächsten zwei Monate. Sichtlich zufrieden kehren wir zum Boot zurück und legen nach kurzem Tschüss und auf Wiedersehen ab.
Delfine vorausSeit mehr als vier Tagen sind wir nun auf See und uns trennen noch immer 274 Seemeilen von Sal. In den vergangenen Tagen hatten wir – wie soll es auch anders sein: Wind gegen an!
Zum Glück müssen wir nicht kreuzen und der Lüfter ist dicht! Die anfängliche Begeisterung schwindet jedoch bei jedem irgendwann. Das Wasser bahnt sich neue Wege und tröpfelt bei den großen, brechenden Wellen immer wieder zum Fenster herein oder findet einen Weg am Mast vorbei. Wenn der Wind etwas abnimmt vertreiben wir uns die Zeit mit Skat, Essen oder Boot säubern. Auch die Entsalzungsanlage können wir nun endlich in Betrieb nehmen. Aus ihr sprudelt das frische Wasser, was uns bei unserer Überfahrt über den Atlantik am Leben halten soll. Sie (Marke Katadyn) funktioniert hervorragend. Langsam aber sicher füllt sich unser Wassertank wieder. Jeden Tag eine Stunde – das sollte reichen um unseren Bedarf zu decken. Weht einmal mehr Wind und der Generator bringt viel Energie ein, springt sogar etwas Süßwasser für eine Dusche heraus.
Wie gesagt: 274 Seemeilen ist die Kap Verdische Insel „Sal“ noch von uns entfernt. Der Wind weht seit gestern Abend, 22 Uhr, schwach aus Nord-Ost und das Wetter ist sonnig warm. Wie immer, beginnen wir die Nassen Kissen, Klamotten und Matratzen zu trocknen.

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One thought on “Teneriffa – Sal: Mehr als die Hälfte ist geschafft

  1. andreas says:

    Hi, schön dass ihr von unterwegs berichten könnt. Segle mit und guten Landfall. Könnte bald soweit sein. (Morgen Dienstags?)
    Gruss Andreas

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