Kap Verden – Barbados: Tag 16 – 18

Der Wind drückt mit vier Beaufort in den Spinnaker. Die Takamaka gleitet mit über fünf Knoten durchs Wasser und kämpft sich durch große Algenteppiche. Der Himmel ist strahlend blau und am Horizont stehen einige Wolkenberge. Zur Einbruch der Dunkelheit nehmen wir den Spi herunter und baumen die Genua aus. Das Boot läuft weiterhin über fünf knoten.
In der Nacht frischt der Wind weiter auf und wir schießen mit mehr als sechs Knoten aufs Ziel zu. Der Wind nimmt ab. Jojo will den Spi setzen, wobei sich der Bolzen des Schnappschäkels verabschiedet und einen Gebrauch des Spibaumes unmöglich macht. Das eine Auge lässt sich nicht öffnen, das improvisierte ist futsch. Was nun? Noch über sechshundert Seemeilen die wir vor dem Wind segeln müssen. Ohne ausgebaumter Genua, ohne Spinnaker?
Axel hat die rettende Idee. Eine dritte Schot wird durch das alte Auge geführt und hat am ende einen Palstek. Ein Auge also. Bei bedarf löst man das Seil und damit die Befestigung zwischen Baum und Schot. Von dem recht starken Abrieb abgesehen, funktioniert die neue Lösung genauso wie die Alte. Wir segeln also weiter unter ausgebaumter Genua.
Die Löcher(nur einen Millimeter oder kleiner im Durchmesser) in unserem Leichtwindsegel werden immer mehr. Woran kann das liegen? Spitze Gegenstände, gebrochene Relingsdrähte o.ä. Können wir keine entdecken. Vielleicht kamen einige durch unseren Vorfall, den ich in Portugal reparieren ließ und der schlecht gepresst wurde. Am Bugkorb ist ein Loch von einem Zentimeter Durchmesser, dass ich seit Tagen aufmerksam beobachte. Weitere 140 Seemeilen geschafft. Bei unseren derzeitige n Etmalen sind wir in drei Tagen auf Barbados. Pünktlich zu Weihnachten.
Der Wind weht mit sechs Beaufort von achtern. Eigentlich viel zu viel für die dünne Genua. Als ich entdecke, dass das Segel über den Bugkorb gelegt ist und in der Welle stark in diesen hineingezogen wird, bekomme ich Angst um das Tuch, dass wir während unserer gesamten Überfahrt genutzt haben. Ich entdecke eine Materialermüdung an eben dieser Stelle. Der Stoff hat bereits einige kleine Risse, längs und quer. „Axel, kommst du bitte hoch? Wir müssen die Genua bergen!“ rufe ich und nach wenigen Minuten ist das Segel unten. Auch ohne Genua laufen wir über fünf Knoten und die Takamaka ist erheblich ruhiger mit der verkleinerten Segelfläche. Ich beschließe, dass wir die Nacht über so weiterlaufen werden und am Morgen gegebenen Falls die zweite Genua anschlagen, sollte der Wind nachlassen.
Als ich zum Sonnenaufgang aufstehe, bläst der Wind mit 28 Knoten. Glücklich stelle ich die Richtigkeit meiner Entscheidung fest und falle bald wieder zurück in meine Koje. Der Wind geht zwar ein wenig zurück, wir laufen aber nach wie vor mit über 5 Knoten. 224 Seemeilen verbleiben, 120 oder mehr machen wir im Etmal unter bloßem Großsegel. Da wir nicht bei Dunkelheit ankommen wollen, geben wir uns mit der Fahrt des Großsegels zufrieden und genießen den ruhigen Tag. Noch 220 Seemeilen, kräftiger Wind und die Zuversicht auf eine baldige Ankunft steht uns allen ins Gesicht geschrieben. Wegen der übervollen Batterien gönnen wir uns einen Film und für mich springt sogar noch eine entsalzte Dusche heraus. Die erste seit Mindelo, was für ein Gefühl!

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