Sal – Sao Nicolao – Sao Vincente

Die Möglichkeiten auf Sal sind beschränkt. Wir liegen zwar in einer ruhigen Ankerbucht, die voll bepackt ist mit kleinen Segel- und Fischerbooten, es gibt aber nur einen winzigen Supermarkt im Städtchen. Öffentliche Duschen gibt’s auch, unsere Freunde empfehlen uns jedoch die Salzwasserdusche. Wir leben also wie auf See.
Als wir einen ausgedehnten Spaziergang machen um schnorcheln zu gehen, ist das Wasser zwar so trüb, dass wir kaum etwas sehen, dafür finden wir aber hunderte Muscheln in allen erdenklichen Größen und Formen. Ausgetrocknete Kugelfische mit stacheliger Haut liegen am Strand zwischen Autoreifen, Bootwracks und Flip-Flops, zwischen Muschelbergen, Reusen und angeschwemmten Tauen. Überall liegt Müll herum, der von den Booten ins Wasser und bis nach Sal getragen wurde. Am Ende unseres „Spaziergangs“, den ich ohne Schuhe starte und mit beende, sind wir alle erschöpft. Als ich eine Stunde später vom Skypen zurückkomme, ist es auf der Takamaka bereits Dunkel. An Land wird Reggae gespielt, die Nacht ist warm und meine Mitsegler schlafen bereits.
Am folgenden Tag stehen wir alle früh auf. Putzen ist angesagt. Das Boot herrichten zur Inspektion. Mein Vater landet um 11:55 Uhr und begleitet uns für die nächsten Wochen über den Atlantik. Als mein Vater ankommt lässt sich die Unordnung der Vortage nur noch erahnen. Clarissa packt ihre Klamotten zusammen, Axel wiederum macht sich breit. Für Clarissa finden wir ein kleines Restaurant, in welchem sie ihren Rucksack für drei Tage zurücklassen kann und wo sie auch ein Zimmer für fünf Euro pro Nacht erhält. Wie wir nun auch erfahren, bauen die Besitzer gerade einen Service für Segler auf. Wäsche waschen lassen, Gegenstände in Empfang nehmen und aufbewahren und ein kleines Gästezimmer gibt es. Mit Internet könnten sie momentan noch nicht dienen, so sagt mir der kleine, sympathische Franzose, der das Lokal betreibt. Erkennen könnt ihr die Bar am Ufer des Hafens an den Tischkickern und Billardtischen und der guten Livemusik.
Nachdem nun auch Clarissas Abreise in drei Tagen geregelt ist und ein Kurzstreckenflug von Sao Nicolao nach Sal auf sie wartet, lichten wir den Anker und setzen Kurs auf Tarrafal. Die Überfahrt wird durchgehend von sonnigem Wetter und Wind unter 4 Beaufort begleitet, fliegende Fische springen ums Boot herum und Delfine begleiten uns für eine Weile. Trotz aller Idylle wird Axel seekrank und muss in der Koje liegen bleiben um seine Kräfte zu schonen. Während wir uns gerade Gedanken über die Wacheinteilung machen schlägt die Angel an. In unregelmäßigen Abständen spannt sich die Schnur und wickelt ein Stückchen von der Rolle ab. HornhechtUnser erster Biss! Sofort gehen wir in den Wind. Beigedreht können wir die Angel langsam einholen und sehen einen länglichen Fisch. 80 cm lang und vielleicht 3 cm Durchmesser. Eine Muräne kann es nicht sein, ein Aal auch nicht. Als wir den Fisch gerade ins Boot ziehen wollen, beißt ein Artgenosse beherzt in dessen Nacken. Zumindest totschlagen müssen wir diesen Fisch nicht mehr. Ein Hornhecht, wie wir am nächsten Morgen erfahren, ist auf unseren Tintenfisch hereingefallen. In drei Teile geteilt braten wir ihn an und genießen ihn zusammen mit Kartoffeln. Ich muss eingestehen, dass dieser, erste Fisch den ich esse, gar nicht so übel schmeckt.
Wir erkunden das Städtchen, versuchen zu schnorcheln und zu angeln, spielen Skat und gehen spazieren. Nach einem Tag ist es dann so weit. Clarissa muss ins Flugzeug um nach Sal und danach nach Deutschland zurück zu fliegen. Gemeinsam fahren wir zum Flughafen. Nach 50 Minuten Fahrt wird das kleine Rollfeld sichtbar. Das einklarieren ist simpel – am Schalter bekommt man seine Bordkarte und das Gepäck wird über ein kleines Band durch eine Wand ins Freie geschafft. Der Flieger landet mit knapp einer Stunde Verspätung und Clarissa verschwindet hinter der Luke. Wir winken bis das Flugzeug abgehoben ist und fahren danach zum Boot zurück.
Nächster Tag: Kurs nach Mindelo, Sao Vincente. Hier liegt die einzige Marina auf den Kap Verden. Axel gewöhnt sich langsam an die Wellen und den Wind, der Wind beschert uns eine rasche Überfahrt. Alles ruhig. Lediglich zwischen den Inseln sind die Strömungen so stark und treffen derart aufeinander, dass es uns zweimal im Kreis dreht. Als wir kurz nach Sonnenuntergang in Mindelo einlaufen, scheint der Hafen schwer zu finden. Das AIS Signal der SY AMAZONE, die wir bereits in Teneriffa kennen lernen durften, leitet uns schließlich den Weg zum Steg. Unsere erste Marina seit zwei Wochen und wohl die letzte für die nächsten drei Wochen. Der Platz an dem wir für die Überfahrt bunkern und letzte Reparaturen durchführen wollen.
Während der Überfahrt versuche ich per Satellitentelefon den zu berichten und euch zumindest Texte mit euch zu teilen. Bilder folgen dann von der anderen Seite des großen Teiches!

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