Barbados, Grenada, Carriacou und Union Island

Als auch Johannes mich auf Barbados verlassen hat, räume ich das Boot auf und packe um. Nach einer so langen Zeit genieße ich die Freiheit in den Tag hinein leben zu können. Aufstehen? Erst um zehn! Jeden Abend auf einem anderen Boot, mit meinen neuen Freunden in einer Bar oder auch einfach mal einen Film auf dem Schiff ansehen. Für die Weiterreise gibt’s noch eine neue Angel mit allem drum und dran.
Als ich Barbados verlasse, erwarten mit 150 Seemeilen offenes Meer und eine Überfahrt von rund 24 Stunden. Der Wind bläst achterlich mit über zwanzig Knoten, das Schiff läuft mit mehr als sechs Knoten im Schnitt. Nur unter Großsegel.
Kaum ist die Angel ausgebracht, beißt ein kräftiger Fisch. Ich manövriere das Boot in den Wind und versuche aufzustoppen. Ein mächtiger Fisch springt aus dem Wasser. Er springt mehrere Meter hoch, lässt sich mit voller Wucht fallen und setzt zu einem neuen Sprung an. Um mir nicht alle Leine von der Rolle ziehen zu lassen, ziehe ich die Bremse immer fester an. Langsam bringe ich den Fisch näher ans Boot heran. Ich erkenne nun, dass es sich um einen weißen Marlin handeln muss. Seine Größe schätze ich auf 1,5 Meter. Der Marlin ist nun rund dreißig Meter entfernt und zeigt erneut seine Stärke beim springen. Die Angel biegt sich, die Bremse lässt ein wenig Leine durch. Auf einmal scheint der Druck verschwunden zu sein. Die Leine ist gebrochen, der Haken, der Köder und der Vorfächer hängen mit wenig Leine im Maul des armen Fisches.
Um beim nächsten Biss besser aufstoppen zu können, setze ich die Genua und segle nun mit beinahe sieben Knoten unter Schmetterlingsbeseglung auf mein Ziel zu. Als die Nacht hereinbricht lasse ich die Windsteueranlage allein, hole die Angel ein und lege mich schlafen. Immer wieder stehe ich auf und sehe nach dem Rechten. Kein Schiff in Sicht, 40 Seemeilen Abstand zum Land – zurück in die Koje! Ich wache vom heulen des Windes auf. Wenige Sekunden nach meinem Erwachen wird das Boot von einer mächtigen Bö erfasst. Ich sitze bereits komplett entkleidet am Ruder und hole rasch die Genua hinters Großsegel. Eine mächtige Gewitterwolke ist über uns. Ich werde vom dichten Regen und über vierzig Knoten Wind ausgepeitscht. Jeder Regentropfen wird zum Geschoss. An ein herunterholen der Segel ist nicht zu denken, da ich hierfür in den Wind gehen müsste und somit die Windgeschwindigkeit um weitere fünfzehn Knoten erhöhen würde. Mit neun Knoten im Durchschnitt segle ich für einige Minuten unter der Wolke her, peinlichst darauf bedacht meine Genua hinter dem Großsegel zu verstecken ohne eine Patenthalse zu fahren. Nach einigen Minuten ist der Spuk vorüber. Der Wind wird schwächer, verändert seine Richtung, ist wieder normal. Ich hole die Genua herunter, die Angel habe ich ohnehin eingeholt und einer solchen Wolke möchte ich nicht noch einmal begegnen.
 GrenadaAls ich am nächsten Morgen in St. Georges auf Grenada einlaufe, sind noch keine 24 Stunden vergangen. Die Sonne steht gerade so über der Insel, ein Platz in der Marina ist bald gefunden und ich freue mich über die glückliche Ankunft. Meine erste Marina seit den Kap Verden, Silvester im Hafen, zahlreiche Deutsche, die mich auf ihr Schiff zum Anleger einladen. Besser kann der Tag kaum werden. Als ich dann auch noch einige Segler wieder treffe, die in Madeira neben uns lagen, ist der Tag vollkommen. Gemeinsam feiern wir in das neue Jahr hinein und können letzten Endes sogar einige Minuten des Hafenkonzertes eines jamaikanischen Künstlers genießen ohne zu bezahlen.
Die Tage darauf verbringe ich mit meinen neuen Bekanntschaften, BarrakudaSY Joy of Life und Anne. Als mir einfällt. Dass ich ja am zwölften Januar bereits in Martinique erwartet werde, ist bereits der vierte. Im Landesinneren wahr ich nicht, habe all die schönen Dinge verpasst und werde sie so schnell auch nicht mehr sehen. So ist das Leben! Ich verabschiede mich am folgenden Morgen und mache mich auf – Ziel: Carriacou.
Schon nach wenigen Seemeilen bin ich vom aufkreuzen gegen den starken Wind ermüdet. Zwar ist mein Windmesser ausgefallen, ich bin mir aber sicher, dass die mittlere Genua für diesen Wind zu stark ist. Was nun? Segel wechseln und die Nacht zum Tag machen oder doch eine Mooring im Westen Grenadas zum übernachten nutzen? Ich entscheide mich für die Mooring, bin jedoch zu ermüdet um den nahegelegenen Park mit Unterwasser-Figuren zu besuchen. Für diesen kurzen Ausflug scheint mir das aufpumpen des Beibootes in keinem Verhältnis zu stehen und so begnüge ich mich mit einem Ausflug zum Strand.
Am nächsten Morgen lege ich früh ab und setze Kurs auf Carriacou. Aus meinem Fehler habe ich noch immer nicht gelernt und habe weiterhin die Genua angeschlagen. Nach wenigen Seemeilen fegt eine Böe übers Wasser, drückt in die Segel und ehe ich mich versehen kann, ist das stählerne Vorfall gebrochen, das Vorsegel heruntergekommen. Nun komme ich nicht länger drum herum. Ich packe die nasse Genua in ihren Sack und schlage die Arbeitsfock an. Das Spifall dient als Ersatz für das gerissene Vorfall und schon macht das Schiff wieder Fahrt. Nach einigen Stunden harten Kreuzens komme ich auf Carriacou an. Es ist bereits dunkel und die Bucht ist dicht bepackt mit Booten. Ich hole den Anker heraus, schlage die Kette an und lasse ihn auf fünf Meter Tiefe ins Wasser. Der erste versuch schlägt fehl. Zu nah bin ich an einem der vielen Boote. Gas vorwärts, Anker hoch, neuer Versuch. Diesmal muss genug Platz zu meinem Nachbarn sein. Das Boot geht immer weiter in Richtung eines Katamarans, der eigentlich im Wind liegen sollte. Nach einem kurzen Augenblick realisiere ich, dass noch immer der Vorwärtsgang eingekuppelt sein muss. Noch zehn Meter zum Kat. Ich Kupple rückwärts ein. Der Katamaran entfernt sich. Dicht bepackt auf CarriacouIch kupple aus und stecke mehr Kette. Auf ein mal ist kein Zug mehr auf der Leine und ich bemerke, dass nicht der Bug mit dem Anker, sondern das Heck im Wind ist und ein weiteres Boot erschreckend nah ist. Ich eile nach hinten. Der Rückwärtsgang ist nicht ausgekuppelt! Die Kupplung verweigert mir den Leerlauf! Ich schalte den Motor ab und warte bis das Boot im Wind ist. Diesmal scheint ausreichend Platz zu sein. Ich schalte den Motor erneut ein gebe rückwärts Gas. Der Anker hält, die Nachbarn, die fleißig geglotzt haben kehren in ihre Boote zurück und ich verstecke mich unter Deck.
 Carriacou (2)Am Morgen gehe ich in Carriacou an Land, versende Postkarten und klariere aus. Um elf Uhr bin ich zurück an Deck und will gerade den Anker heben, da bemerke ich, dass der Motor nun nicht länger nur vorwärts und rückwärts fahren kann, sondern dass er nun weder das eine noch das andere zu tun bereit ist. Die Drehzahl erhöht sich aber die Schraube rührt sich kein bisschen. Ich entleere die Backskiste und lege die Schaltung frei. Vermutlich ist zu viel Salz eingedrungen und hat die Feder blockiert, denn nach einigen Minuten des Schraubens, Bewegens und Reinigens funktioniert die Schaltung wieder wie gewohnt. Es ist bereits 13 Uhr als ich den Anker berge und ich bin froh, dass ich nur zehn Seemeilen bis nach Union Island vor mir habe. Diesmal habe ich die Arbeitsfock angeschlagen und so steht mir eine problemlose, wenn auch strömungsreiche Überfahrt bevor. Als Union Island Riffich in Clifton auf Union Island einlaufe, wird mir sofort eine Mooring angeboten. Da ich genug von Ankermanövern auf engem Raum habe nehme ich das Angebot an und habe nach wenigen Minuten meinen Platz gefunden. Ich liege direkt vor einem Riff, das die Wellen weitestgehend zum brechen bringt und eine relativ ruhige Nacht verspricht. Kein anderes Boot liegt vor und ich genieße den Ausblick auf Kitesurfer über einem türkis-schwarz geflecktem Riff.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s