Dominica – Antigua: Wasserfälle, Seen und Motorschaden?

Ich verbringe einige, wunderschöne Tage auf Dominica, wobei ich das Boot nahe Roseau, der bunten Hauptstadt der Insel, vor Anker liegen lasse. Im Anchorage Hotel, nahe meinem Boot, ist man sehr hilfsbereit und hilft mir nicht nur eine Tour zu buchen, sondern lässt mich auch, ohne Gegenleistungen zu erwarten, im Hotel sitzen und Internet, Strom und alles drum und dran nutzen. Sehr nett, wie ich finde! So kommt es, dass ich von diesem Hotel aus viele Ausflüge mache. Ich spaziere durch die Stadt, genieße die bunten Häuser, beobachte die Einheimischen und Touristen oder trinke mal hier, mal dort einen Kaffee. Dominica hat offensichtlich seinen alten Charme behalten und hat sich nicht von all den Touristen beeinflussen lassen. Die Insel bietet generell eher einen ungewöhnlichen Karibikaufenthalt. Man findet hier kaum Sandstrände und daher kommen nur wenige Touristen auf die Insel. Der Tourismus beschränkt sich bis auf die wenigen Yachten und Kreuzfahrtschiffe auf wenige Wander-Interessierte, die die wunderschönen Wasserfällen und einzigartigen Seen der Insel aufsuchen. Wasserfall Wanderung Boiling LakeWanderung DominicaIch selbst konnte eine Wanderung zum „Boiling Lake“, einem riesigen See mit kochendem Wasser, machen. Für diese sechsstündige Wanderung habe ich mir einen Führer vermitteln lassen, der mit den dortigen Pfaden vertraut ist. Zusammen mit ihm und drei anderen klettere und rutsche ich drei stunden lang Hügel und Berge hoch und runter, bis wir schließlich in einer Schlucht ankommen, die komplett Geysir, Valley of Desolationausgetrocknet zu sein scheint. In der Felsigen Schlucht, die sich vor uns eröffnet, sind zahlreiche Geysire und brodelnde Quellen, es stinkt schrecklich nach faulen Eiern und überall sind Schwefel oder Eisenablagerungen. Ein karger und Vulkanischer Fleck in Mitten des Regenwaldes, den man hier von außen gesehen nie erwarten würde. Als wir eine halbe Stunde später an besagtem See ankommen, stockt uns der Atem. Keiner von uns hätte einen so großen See erwartet. Mit einem Durchmesser von geschätzt zweihundert Meter (in Wirklichkeit beträgt er wohl nur sechzig Meter) sieht der See wie ein in Nebel gehülltes Meer aus. In der Mitte schäumt und brodelt es. Ein richtiger Whirlpool möchte man meinen. Am Ende der Wanderung spüre ich meine Knie, die bei jedem Schritt bergab mehr schmerzen.Boiling Lake Dominica2
Karneval DominicaIm Anschluss besuche ich den lokalen Karneval, einen scheinbar endlosen Umzug mit Wagen, lauter Musik, gruseligen Gestalten und den Wahlwagen der „Miss Dominica“-Anwärterinnen. Die ganze Veranstaltung erscheint mir unwirklich, erinnert mich an Deutschland und zeigt mir wie viel wir gemeinsam haben. Middleham FallsAuch meine zweite Wanderung zu den Middleham Falls, einem Wasserfall von rund 150 Fuß Höhe, konnte meine Begeisterung für die Insel wecken. Nach einer halben Stunde schon kommt man an den Wasserfall und kann bis an das Wasserbecken darunter hinabsteigen. Ist man unten angekommen, kann man im kalten Wasserbecken einige erfrischende Runden schwimmen. Den Versuch, unter den Wasserstrahl des Sturzbaches zu schwimmen muss ich nach einigen Versuchen abbrechen. Die Strömung ist zu stark und ich man sieht kaum etwas vor lauter Luftdruck und den darin gefangenen Wassertröpfchen. Bei beiden Wanderung gab es übrigens kaum Touristen und ich beschließe, dass Dominica für mich (bisher) die bevorzugte Insel für Wanderungen in der Karibik bleiben wird.
 DCIM100GOPROZum schnorcheln bietet die Insel im Übrigen auch ein herrliches Riff, das „Champagne Reef“, aus welchem stetig kleine Luftbläschen aufsteigen und das Meer durch die kleinen Schlote erhitzt wird. Dort finde ich zahlreiche, bunte Fische, die ich bisher in der Karibik noch nicht gesehen habe.
Als ich gerade mein Beiboot auslade und für die Weiterfahrt auseinander nehmen will, kommen alte Freunde vorbei. „Wir sinds, ANNE Ahoi!“ heißt es da aus dem Schlauchboot, in dem drei Kinder und deren Eltern sitzen. Ich begleite sie zu ihrem Boot und esse mit ihnen zu Abend. An eine Abfahrt am Abend glaube ich nun kaum noch und nach wenigen Stunden bin ich zurück auf meiner Takamaka. Das Beiboot lege ich noch zusammen und verstaue es, los geht es dann aber erst am folgenden Morgen, wo ich pünktlich zum Sonnenaufgang den Anker lichte.
Wal im Morgengrauen 1Der Wind weht nur schwach, ich bewege mich langsam auf Guadeloupe und noch langsamer auf Antigua zu, wo in einem Tag meine neue Mitseglerin ankommen wird. Plötzlich nimmt mir ein Motorboot unverschämt die vorfahrt. Ich gucke mich verdutzt um und stelle fest, dass es ein Ausflugsschiff eines Nachbarhotels aus meiner alten Bucht war. Der Schiffsführer winkt mir zu und ich freue mich über das wiedersehen. Als nun auch noch drei große Walrücken neben mir erscheinen, verstehe ich warum er so knapp vor mir vorbei gefahren ist. Die Wale schwimmen für knapp eine Minute neben mir her und tauchen dann wieder ab. Eine beeindruckende Erscheinung!
Die Überfahrt zieht sich trotzdem und ich werfe hinter Dominica und Guadeloupe den Motor an um zumindest aus deren Windschatten hinaus zu kommen und zu meiner Überraschung komme ich in St. John bereits am Morgen des 29. Januar an. Gerade genug Zeit um das Boot ein wenig zu putzen und aufzuräumen. Wenige Minuten später stehe ich am Flughafen und sammle Barbara ein.
Die Hauptstadt Antiguas, St. John, ist von Kreuzfahrtschiffen überrannt und biete weder Sandstrände noch irgendwelche Einrichtungen für Yachten, weswegen wir bereits am nächsten Morgen zu der kleinen Insel „Great Bird Island“ aufbrechen. Als wir am frühen Nachmittag dort ankommen, sind wir eine von knapp zehn Yachten in der Bucht und die unbewohnte Insel ist leicht mit dem Dinghi zu erreichen. Zwar ist das Wasser noch immer recht trübe und man kann kaum schnorcheln, die Insel selbst bietet jedoch zwei kleine Sandstrände und Holztische. In Kombination mit der dort herrschenden Ruhe ist der Ankerplatz eine tolle Möglichkeit um dem Massentourismus der Karibik zu entgehen.
Am nächsten Morgen soll es nach Falmouth Harbour im Süden der Insel gehen, wo ich mir eine Möglichkeit zum auffüllen meiner Wasser- und Dieselvorräte erhoffe. Bereits bei abreise stellt sich die Navigation durch das Riff, das Antiguas Nordküste vom offenen Meer trennt, als ungewohnt schwer heraus. Statt im Standgas in einem Kanal zu fahren, tasten wir uns mit einem halben Knoten langsam zwischen den Riffen hindurch. Immer wieder kupple ich ein und aus um die Geschwindigkeit kontrollierbar zu halten und den Anweisungen von Barbara zu folgen, die nun am Bug steht und mir sagt ob ich mich weiter rechts oder links halten solle.
Kaum liegt diese Hürde hinter uns, atmen wir auf und bringen die Angel aus. Schon nach wenigen Minuten beißt ein großer Fisch. Wie wir später erfahren handelt es sich um einen „Horse-Eye Jack“, der leider wegen der Gefahr einer Ciguatera-Vergiftung ungenießbar ist. Trotz allem freuen wir uns vorerst sehr über den mächtigen Fisch, den wir aus dem Wasser ziehen konnten.
Als der Wind zusehends einschläft und wir immer langsamer werden, werfen wir den Motor an. Für zwei Stunden motoren wir gegen die Strömung an und warten vergeblich auf das Einsetzen des Ostwindes. Auf einmal tritt starker Rauch aus dem Auspuff aus und es sieht aus als würde gleichzeitig Öl ausgeworfen. Ich schalte sofort den Motor ab und vermute das Schlimmste. Der Motor muss einen ernsthaften Schaden erlitten haben, so vermute ich. Wir segeln also mit ein bis zwei Knoten unserem Ziel entgegen. Die Stimmung ist gedrückt und ich male mir die schrecklichsten Szenarien aus, wie es mit meiner Reise weitergehen wird. Als ich die Trübsal satt habe und eine Packung Brause-Bärchen aufgegessen ist, binde ich das Dinghi längsseits und drehe dessen Außenborder auf halbe Kraft auf. Die Takamaka beschleunigt langsam, ganz langsam bis auf 3,5 Knoten. Als wir nach kurzer Zeit die Bucht erreicht haben, sieht man bereits über die Hügel hinweg einige gigantische Masten aufblitzen. In der Einfahrt liegt eine Superyacht und dahinter viele mehr. Unsicher geworden nähern wir uns immer mehr der Marina, die wohl nicht für uns sondern nur für Schiffe über dreißig Metern Länge erbaut worden zu sein scheint.
Um ein einfaches Manöver fahren zu können und meine Nerven nicht weiter strapazieren zu müssen, wollen wir eine der vielen Moorings nehmen. Schon nach wenigen Minuten liegen wir an der kleinen Boje, das Schiff sauber vertäut und in vollkommenem Chaos versunken. Das Großsegel ist nicht zusammengelegt, die Genua nicht Festgebunden, der Motorraum offen und überall fliegt Kram herum. Erst einmal einen Anleger trinken, den brauchen wir jetzt!
Als sich am nächsten Tag Herausstellt, dass der Motor doch nicht kaputt ist, sondern lediglich einige Alterswehwehchen hat, die sich von selbst erledigt haben, ist meine Stimmung wieder voll auf. Vielen Dank an Ulli für die Remote-Beratung! Ohne deine Hilfe wäre vermutlich auch dieser Tag zu einer Qual geworden.
Nicht zuletzt auch alles Gute und vielen Dank an meine Liebste, die heute Geburtstag hat und leider nicht hier sein kann!

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4 thoughts on “Dominica – Antigua: Wasserfälle, Seen und Motorschaden?

  1. Frank says:

    Hi Jonathan,

    Als eifriger Leser und stiller Bewunderer deiner Reise bin ich doch schon sehr neugierig, was dein alter Diesel für Wehwechen hatte.
    Meiner ist BJ 77 und hält sich wacker, ein VP MD 11C.
    Drücke alle Daumen für eine glückliche Weiterreise.

    Handbreit, Frank

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    • Jonathan says:

      Hallo Frank,
      der Motor hat verschiedene, kleine Macken. Als wir ihn an besagtem Tag für ca. drei Stunden unter Last gefahren haben, kam auf einmal schwarzer Qualm aus dem Auspuff und gleichzeitig wurde eine schwarze, ölartige Flüssigkeit ausgeworfen. ich habe den Motor sofort abgeschaltet und mich nicht getraut ihn wieder einzuschalten. An einer Mooring einen Tag später hat mir dann ein Freund gesagt ich solle den Deckel zum Öl nachfüllen öffnen und kurz starten. Bei weißem Dampf aus dem Loch sei etwas mit den Zylindern nicht in Ordnung. Gesagt getan – es kam kein weißer Dampf und der Motor spuckte weder Öl noch schwarze Abgase hinten raus. Der Fehler lies sich also nicht rekonstruieren. Vermutlich war Dreck in den Einspritzdüsen und diese konnten nicht schließen. Dadurch würde zu viel Diesel in das Gemisch gelangen und eben dieses Phänomen auftreten. Es könnte auch sein, dass zu viel Öl im Kreislauf war und da etwas verbrannt/ausgeworfen wurde.
      Der Motor bringt jedenfalls wieder volle Leistung und zeigt keinerlei Veränderungen zu davor.
      Viele Grüße aus Jolly Harbour, Antigua
      Jonathan

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  2. Benno says:

    Mein lieber Scholli, Jonathan….ganz grosse Klasse Dein Logbuch für die Daheimgebliebenen!! Und für jeden, der mit dem Gedanken spielt, es Dir nach zu tun, ein wahres Lehrbuch. Eine grosse Fahrt mit vielen kleine und grossen Abenteuern….Deinen Vater hast Du ja schön über den grossen Teich geschaukelt, ich hoffe, er hat sich bewährt.
    Hier auf dem Hirzel in der Schweiz ist das Winterwetter eingezogen, Schnee und Langlaufloipen gut. Ein bisschen karibische Wärme könnte ich gut gebrauchen.
    Weiterhin Mast- und Schotbruch für die weitere Reise, Junge…
    Benno

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  3. winfried says:

    Hallo Jonathan,
    wg. des Rauchens würde ich darauf achten wie der Sprit ist den Du tankst. Früher war es bekannt, dass viel verunreinigter Sprit verkauft wurde. Tausche die Filter und schau Dir den Wasserabscheider an.
    L.G und sei Dir sicher, dass Dich mein Neid auch weiter begleitet.

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