St. Kitts, St. Bart, Sint Maarten, Virgin Islands und Dominikanische Republik – ein weiterer Monat ist vergangen

Wir verlassen Nevis am frühen Morgen. Kaum habe ich die Leine von der Boje gelöst, peitscht Regen übers Wasser und bremst mich von vier auf zwei Knoten Fahrt runter. Es gießt wie aus Kübeln und innerhalb von wenigen Minuten wird das Dinghi hinter uns zur Badewanne. Genauso schnell wie er gekommen ist, hört der Regen auch wieder auf und nach einem kurzen Schlag kommen wir in Basseterre, der Hauptstadt von St. Kitts, an. Die Marina ist eher ein Fischerhafen und das Wasser ist so dreckig wie selten zuvor. Strände gibt es in näherer Umgebung keine und die Stadt ist nur wenig attraktiv. Brimstone Hill FestungÜberall hängen Werbebanner für Politiker. Die Menschen rennen alle mit den T-Shirts ihrer Partei herum und unmissverständlich stehen Wahlen bevor. Ich unternehme mit Barbara einen letzten Ausflug zur Brimstone Hill Festung, die von den Engländern als Knotenpunkt und Kontrollzentrum der Karibik genutzt wurde. Affen, die es hier geben soll, finden wir jedoch leider nicht und so genießen wir lediglich den guten Ausblick.
Nachdem meine Mitseglerin verabschiedet ist und das Boot wieder leer geräumt ist mache ich mich rasch ans Putzen. Mir bleiben 24 Stunden bis meine neuen Mitseglerinnen eintreffen. Ein neues Vorfall habe ich bereits eingezogen und auch andere Kleinigkeiten an Bord gerichtet. Als Jenny und Anna schließlich ankommen, sieht die Takamaka tatsächlich wieder wie ein Boot aus. Wenige Minuten nach deren Ankunft gleicht das Boot schon wieder einem Kleiderschrank – ich werde mich nie daran gewöhnen!
Als ich mit Anna und Jenny nach Statia aufbreche weht recht starker achterlicher Wind, wir sind aber dank der Insel in Lee für die meiste Zeit von hohen Wellen verschont. Als wir auf Statia ankommen, müssen wir feststellen, dass nicht nur alle Bojen bereits besetzt sind, sondern auch der Ankerplatz von großen Wellen überhäuft ist und ein ruhiges liegen völlig unmöglich scheint. Wir entscheiden uns bis nach St. Barts weiter zu segeln. Zwar werden wir erst bei Dunkelheit dort ankommen, die Buchten dort bieten allerdings viel besseren Schutz. Weitere fünf Stunden stehen uns nun bevor und leider haben wir den Wind auch noch gegen an. Anna kämpft mit der Seekrankheit während Jenny strahlend und lachend neben mir sitzt und sich über jede Welle und jeden Wasserspritzer zu freuen scheint. Als wir kurz nach Sonnenuntergang ankommen bahnen wir uns unseren Weg durch die ankernden Boote. Eine Stunde später haben wir auch endlich einen geeigneten Ankerplatz gefunden und fallen alle ins Bett.
Als wir am folgenden Tag in die Stadt fahren treffen wir unsere Freunde von der ANNE wieder. Wie schon so oft ruft es unerwarteter Weise „Anne Ahoj“ und die drei Kinder sitzen zusammen mit ihren Eltern in einem Schlauchboot und winken zu uns herüber. Wir tauschen uns über die Ankerplatz, St Bartvergangenen Tage aus und Stefan sagt uns was wir wo auf St. Barts erleben können. Wir besuchen einen Strand der komplett aus kleinen Muscheln besteht und liegen für zwei Tage in einer wunderschönen, ruhigen Bucht mit Sandstrand, Schildkröten und was man sich sonst noch so wünschen kann. Trotz der guten Zeit bin ich froh als wir nach Sint Maarten aufbrechen. St. Barts ist zu teuer und zu ausgefallen für meinen Geschmack.
Als wir auf Sint Maarten ankommen bleibt uns eine Stunde bis die Brücke öffnet. Gerade als wir den Anker geworfen haben kommt ein Zollboot und kontrolliert alle Sicherheitsmittel an Bord. Nach zwei Sekunden kommt der Beamte wieder nach draußen. Der Kleiderschrank hat also doch einen Zweck – er schreckt vor langen Suchen nach Rauschmitteln und Waffen ab. Nicht das wir das nötig hätten…
Kupfermiene, Virgin GordaIn der Lagune angekommen finden wir bald einen Platz in einer völlig überteuerten Marina. Erst einige Tage später stelle ich fest, dass es fünfzig Meter weiter nur die Hälfte kostet. Zu spät.Flugzeug im Landeanflug
In Sint Maarten verbringen wir einige nette Tage, besuchen den weltbekannten Flughafen, wo die Flugzeuge nur wenige Meter über einem zur Landung ansetzen und man direkt hinter den Triebwerken einer startenden Boeing 747 stehen kann. Ein Spaß den ich mir nicht entgehen lassen kann. Auch die ANNE treffen wir dort wieder. Es scheint als sei es uns vorbestimmt uns wieder und immer wieder zu begegnen.
Unsere Abfahrt verzögert sich leider, als mein Außenborder seine Abdeckklappe am Schaft verliert und dadurch die Kühlung ausfällt. Als ich bei Iceland Waterworld, einem großen laden für Bootszubehör den Motorenspezialisten um Rat bitte, erklärt er mir mit einem Gesichtsausdruck der Trauer und des Mitgefühls, dass der Motor leider nicht zu reparieren sei. Ein Freund fährt mich dennoch zu einem deutschen, der sich durch das reparieren von Motoren über Wasser hält und wir erfahren, dass lediglich eine neue Abdeckklappe gebaut werden muss. Als ich am Abend wieder komme, funktioniert der Motor als sei nie etwas gewesen. Auf halber Strecke zum Boot jedoch, geht er versehentlich aus und lässt sich nicht mehr starten. Nach der Reparatur wurde eine Schraube nicht wieder richtig Festgezogen und dadurch wurde die Schnur zum Anziehen zerstört. Keine Chance hier Ersatz zu finden. Übergangsweise werde ich den Motor wohl mit einer Schnur, die ich um das Schwungrad wickle, anziehen müssen.
Als ich endlich beim Boot ankomme bauen wir das Dinghi ab und machen alles fertig. Anguilla werden wir nun aus Zeitmangel auslassen müssen und direkt nach Virgin Gorda segeln. Anna und Jenny werden von dieser kleinen Insel der Britischen Jungferninseln zurück nach Deutschland fliegen. Nach rund fünfzehn Stunden kommen wir im Virgin Gorda von oben„Gorda Sound“ an. Diese Bucht wurde uns als besonders geschützt empfohlen und wir finden rasche einen Ankerplatz zwischen den Booten. Erst als es hell wird sehe ich, dass der Anker im Seegras liegt, er scheint sich aber gut eingegraben zu haben. Als wir vom einklarieren zurück kommen, ist das Boot direkt neben unserem Nachbarboot. Nur wenige Meter liegen zwischen den Booten. Der Nachbar ist sehr höflich und zeigt Verständnis. Die zehn Fender an der Seite seines Bootes sprechen aber für sich. Wir verholen an einen kleinen Steg und bleiben für drei Tage dort liegen um die Insel zu erkunden. Der zunehmend nördliche Wind treibt Wellen in die Bucht und wir liegen unglaublich unbequem. Immer wieder ruckt und zuckt das Boot und ich habe angst, dass es uns die Klampen aus dem Deck reißt. Das muss das Boot schon aushalten, wenn wir zusammen nach Grönland wollen, beschließe ich. Als wir mit dem Mietwagen die InselThe Baths, Virgin Gorda 2 erkunden finden wir eine Marina im Süden, die zwar mehr als 40 Dollar pro Nacht kostet, dafür aber sehr ruhig ist. Wir Besuchen eine alte Kupfermiene, genießen die Aussicht von der Spitze der Berge. Als wir bei „The Baths“, einem Strand mit riesigen, runden Felsen, ankommen gehen wir zur Abkühlung ins Wasser und laufen und kriechen anschließend unter den Felsen hindurch um in die Nachbarbucht zu gelangen. Zwischen den The Baths, Virgin GordaSteinen wirkt das seichte Meerwasser in wie ein bewegter Spiegel. Als wir zurück am Boot sind, sind wir froh unseren Jimmy gemietet zu haben, obwohl man innerhalb von einer Stunde die kleine Insel umrunden kann. Die letzten drei Tage verbringen wir in der Marina im Süden, besuchen den winzigen Flugplatz, von dem die zwei Mädels aus zurück fliegen und fahren mit der Fähre nach Anegada.
Anegada ist die nordöstliche Insel der BVIs, die fast nur aus Sand besteht und auf der Flamingos leben sollen. Als wir ankommen,Anegada, BVI 2 stellen wir rasch fest, dass es nicht viel zu sehen gibt. Wir erkunden die Insel getrennt um etwas Ruhe zu haben und als wir uns am Abend wiedertreffen erzählen wir alle Amüsiert, dass wir stundenlang durch die Gegend gelaufen sind ohne viel zu
sehen. Flamingos konnte ich keine finden, der Tag war trotzdem gelungen. Besonders beeindruckend war für mich das Frühstück für fünf Dollar – drei Tassen Kaffee inklusive. So günstig habe ich nicht mehr gegessen seit ich in der Karibik angekommen bin. Als ich das Dinghi abbaue um weiter zu segeln, rutsch es vom Steg weg und ich falle mitsamt Motor ins Wasser. Schwimmender Weise gelingt es mir ihn an der Oberfläche zu halten bis Jenny und Anna mir zu Hilfe geeilt kommen. Langsam habe ich dennoch den Eindruck, dass die Beziehung zwischen mir und dem Motor in den letzten Tagen immer schlechter wurde und Stefan von der ANNE, die schon wieder bei uns in der Bucht liegt, macht Witze darüber, dass ich offensichtlich meinen Motor loswerden will.
Ich bringe Anna und Jenny zum Flugzeug und schau ihnen beim Start mit ihrem Zehn-Mann-Flieger zu und klariere aus. Obwohl ich, wie der Zollbeamte mir noch einmal ausdrücklich klar macht, das Land innerhalb von zwölf Stunden verlassen muss, bleibe ich zusammen mit der ANNE noch für einen Tag auf Cooper Island, einer kleinen Insel mit sehr schönem Riff zum schnorcheln.
Als ich dann doch irgendwann aufbreche beschließe ich statt auf den US-Virgin Islands oder Puerto Rico einen Stopp zu machen, direkt bis nach Luperon in die nördliche Dominikanische Republik zu segeln. Die Strecke von rund 370 Seemeilen wird die längste seit der Atlantiküberquerung und die längste Einhandstrecke seit zwei Jahren für mich sein. Ich freue mich auf den guten Wind, das leichte segeln und die Ruhe an Bord und als die Segel stehen fühle ich mich endlich wieder richtig gut und wohl. Ich weiß ich tue das Richtige. Schon nach weniger als drei Tagen komme ich in Luperon an und habe nun noch rund zehn Tage um das Boot aufzuräumen. Von Mitte März bis Anfang April werde ich nämlich in Deutschland Heimaturlaub machen. Zuvor gibt es noch einiges zu tun. Die Heizung funktioniert nicht mehr, der Pinnenpilot hat schon vor der Überquerung seinen Geist aufgegeben, das Boot will mal wieder richtig aufgeräumt und gepflegt werden.
Nach zwei Tagen ist das meiste geschafft und ich organisiere ein Auto mit dem ich, zusammen mit Freunden, die ich hier kennen gelernt habe, die Insel erkunde. Wir fahren zu den „Damajagua“ Wasserfällen, die man herunterrutschen und herunterspringen kann. Die Felsen dort sind durch das Wasser so glatt geschliffen, dass sie natürliche Rutschen bilden. Im Anschluss bringe ich meinen neuen Freund, Samuel, zum Flughafen. Er muss nach 7 Monaten segeln mit seinem Vater zurück nach Deutschland. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich ihn irgendwann beim Segeln in der Ostsee wiedertreffen werde. Nicht zuletzt um ihm einige Taschen aus Segelresten abzukaufen, die er herstellt. Die Reisetaschen sind nicht nur Robust, sie sehen auch schick aus und sie werden aus Segelresten angefertigt.
Plantation de Cacao del Eden 2Als ich am nächsten Tag mit dem Auto durch die Gegend fahre und eine Abzweigung verpasse, sehe ich zufällig die einfahrt zur „Plantation de Cacao del Eden“, einer wunderschönen Kakao Plantage. Etwas schüchtern laufe ich die Straße herunter bis ich beim Haus ankomme verschlägt es mir den Atem. Pfauen und Perlhühner, hübscher als im Zoo. Blumen überall. Die Besitzer geben mir nicht nur eine private Führung, ich Tamara and Pauldarf außerdem fertig fermentierte Bohnen und Kakaofrüchte mitnehmen. Auf der Plantage wird alles Biologisch angebaut und es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Fruchtbäumen, die zwischen den Kakaobäumen wachsen. Eines steht für mich fest: Hier will ich wieder vorbeikommen. Die Plantage trägt den Namen Eden zurecht.
Ich werde durch das benachbarte Dorf gefahren und Tamara Kakaobaum mit fast reifen Früchtenbringt mich zu einer Bekannten, die verschiedene kleiner Schnitzereien und anderen schmuck verkauft und herstellt. Innerhalb von wenigen Stunden finde ich mehr Mitbringsel als in den letzten Monaten zusammen und neue Freunde für die Zukunft.
Die nächsten Tage werde ich noch mein Zeug packen und erst im April wieder Blogeinträge schreiben. Im übrigen wollte ich mich noch für die lange Pause entschuldigen und bei allen Lesern bedanken, die sich jetzt durch diesen Endlosen Text gequält haben. Ab April will ich versuchen wieder regelmäßiger zu berichten!

 

 

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