Faeringe Nordhavn – Tasiussaq

Der Ankerplatz ist gut geschützt aber beinahe unspektakulär. Kein Fisch will beißen (eine Seltenheit in Grönland), an Land sind einige Fallen, ansonsten gibt es nichts zu sehen auf der kleinen Insel hinter der wir liegen. Am nächsten Morgen geht es direkt weiter, hinein in den Nebel, der uns bis Sisimiut begleitet. So schlechtes Wetter hatten wir schon lange nicht mehr. Seit zwei Tagen ist der Himmel bedeckt, heute ist es sogar nebelig und kalt ist es auch geworden. Immerhin können wir inzwischen wieder segeln, was uns ganz gelegen kommt, denn gerade haben wir entdeckt, dass die Diesel-Ablaufleitung von den Einspritzpumpen heruntergerutscht ist und der Diesel munter in die Bilge plätschert. Das Ganze bedeutet nicht nur den Verlust von einigen Litern Diesel, sondern auch Dieseldampf im Schiff. Wenig angenehm und dringend zu beheben. Winfried stellt fest, dass die Leitung schon immer zu kurz gewesen und die Schelle, die sie auf dem Rohr befestigen sollte, nie auf diesem saß. Mit vulkanisierendem Klebeband sollte unser Motor zumindest im Notfall über einige Stunden einsatzfähig bleiben, beschließe ich und wickle den Schlauch mitsamt Schelle und Rohr kräftig ein. Solange wir wie jetzt mit sieben Knoten Fahrt unter Segeln dahin schießen, wollen wir diese Konstruktion allerdings nicht auf die Probe stellen, also schließen wir den Motorraum wieder und freuen uns auf Sisimiut, das langsam hinter dem sich lichtenden Nebel zum Vorschein kommt. Kurz vor dem Hafen holen wir dann das Großsegel herunter und starten den Motor. Als das Segel gerade fertig festgebunden ist, merke ich, dass der Motor nicht hoch dreht, egal wie ich den Gashebel bewege. Außerdem kommt zum Auspuff schwarzer Qualm heraus. Sofort stoppe ich den Motor, während Winfried rund fünfzig Meter vor der Hafeneinfahrt das Vorsegel setzt. Der Wind ist durch die Landabdeckung deutlich schwächer geworden und mit dem letzten bisschen Fahrt gehen wir bei einer Alu-Yacht längsseits. Als die Leinen fest sind öffne ich als erstes den Motorraum und sehe gleich den Kompressionshebel, der einen unserer zwei Kolben dekomprimiert. Er liegt auf der falschen Seite, was bedeutet, wir sind nur auf einem Kolben gelaufen während der Diesel im anderen nur unverbrannt ausgespuckt wurde. Kein Wunder also, dass der Motor nicht auf Drehzahl gekommen ist. Ich muss den Hebel beim Abkleben des Schlauches vergessen haben zurückzulegen und habe mir dadurch ein Segelmanöver im Hafen eingebrockt – selber schuld. Ich starte den Motor wieder und – wer hätte es gedacht – die Drehzahl lässt sich ohne weiteres erhöhen, der schwarze Qualm ist fort und alle Ängste sind verflogen. Wir sind inzwischen in Sisimiut angekommen und Winfried bereitet sich auf seine Heimreise vor. Der Rucksack wird gepackt, ein Eintrag ins Gästebuch geschrieben und im Hotel wird geduscht. Clarissa und ich wollen Wäsche waschen, was wir bei 60 Euro für einen Sack Wäsche dann aber doch verschieben. In den anderen Dörfern zahlen wir dafür maximal ein Drittel. Außerdem finden Clari und ich ein Gerät zum SD Karten auslesen. Seit Tagen können wir nicht fotografieren, weil ich all unsere Bilder seit Eqip Sermia, dem Gletscher, unserer Inlandeis-Wanderung und unserer Eisbrecher-Fahrt von der SD-Karte gelöscht habe. Zusammen mit dem Gerät können wir die Bilder zum Glück wieder herstellen. Winfried kommt mit einigen Schläuchen vom Müll zum Boot und tatsächlich passt einer davon perfekt als neuer Schlauch für die Dieselleitung. Jetzt kann Winfried guten Gewissens in seinen Flieger steigen, schließlich hat er (mit uns) das halbe Boot repariert. Die andere Hälfte wartet dann wohl auf mich bis wir in Deutschland sind. Wir legen noch einen Tag Pause in Sisimiut ein, organisieren eine Gasflasche mitsamt Adapter zum Umfüllen in unsere (was zugegebener Maßen nur mehr oder weniger gut klappt) und fahren dann weiter gen Süden, zurück nach Tasiussaq, dem Ankerplatz im Evighedsfjord, an dem wir schon bei unserer Hochreise gelegen haben. Kurz nachdem wir Sisimiut verlassen haben fängt der Wind an zu blasen. Natürlich aus Süden, der Richtung in die wir gerade wollen. Bald sind es mehr als 20 Knoten und wir wechseln das Vorsegel. Unter Deck und auch auf dem Vorschiff purzelt alles, was die letzten Wochen nie daran gedacht hat seinen Platz zu verändern. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass wir Wind von dieser Stärke haben und das Ganze natürlich gegen an. Wir brauchen mehr als 24 Stunden bis wir endlich an unserem Ankerplatz angekommen sind und gefühlt eine weitere Stunde bis wir schließlich einen Platz gefunden haben, an dem unser Anker zumindest ein bisschen hält. Nach diesem ungewohnt windigen Erlebnis legen wir erst einmal eine Pause ein und machen uns bei Ebbe auf die Suche nach Miesmuscheln, die hier überall am Strand liegen. Morgen geht es nach Nuuk weiter, von wo aus wir dann auch endlich die letzten Bilder hoch laden wollen (nachdem wir sie nun wieder hergestellt haben).

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