Grönland – Island 1

Noch knapp zwei Meilen sind es bis zur Wetterstation, da liegt ein mächtiger Eisberg in unserem Weg. Mindestens 30 Meter hoch und wohl auf weit mehr als hundert Metern Tiefe ist er auf Grund gelaufen und schaukelt um ein paar Meter hin und her. Wenn er sich im falschen Moment dreht, bleibt von unserer Takamaka nicht viel übrig und dementsprechend drücke ich den Gashebel noch ein Stückchen weiter nach unten. Fast drei Knoten Fahrt aufs Ziel zu. Das fühlt sich nach mehr als sieben eher an als würden wir auf der Stelle stehen, aber die Strömung ist nun mal gekippt und der Wind mit 20 Knoten gegen an. Der Nebel lichtet sich als wir um den Eisberg herum sind und wir erkennen aus mehr als einer Meile unseren Liegeplatz für die Nacht. Ein mit alten Reifen gefenderter Stahlpier und viel mehr Häuser als wir erwartet hätten liegen vor uns. Das Anlegen ist ein Kinderspiel, die Leinen schützen wir mit Plastikschläuchen gegen das Scheuern an der Mole und nach wenigen Minuten bin ich auf dem Weg zur Wetterstation. 280 Stufen sind es bis oben und der erste Empfang kommt von drei Hunden, die sich um mich herum stellen und mich wie wild anbellen, jedoch nie zu nahe kommen. Von den Menschen werde ich freundlicher empfangen (auch die Hunde stellen sich später als friedlich und zutraulich heraus. Ihre Aufgabe besteht normalerweise darin mit ohrenbetäubendem Gebell vor Eisbären zu warnen) , darf im Internet nach Wetter und Eis schauen (es gibt leider keine neuen Eiskarten seit dem 02.08.) und bekomme einen Kaffee serviert. Als man mir dann auch noch Schichttorte anbietet, erinnert mein schlechtes Gewissen mich daran, dass Clarissa unten wartet und das Boot aufräumt, während ich im warmen sitze. Ich renne also mit einer großen Provianttasche, die ich geschenkt bekommen habe, alle Stufen wieder hinab und zusammen mit Clari, ohne Tasche, wieder hinauf. Jetzt ist Zeit für eine Schichttorte, für das Gästebuch und eine lange Unterhaltung mit drei von den acht Mitarbeitern der TelePost, die hier stationiert sind. Die Gebäude bieten mehr Luxus als alle anderen, die wir zuvor in Grönland gesehen haben und es scheint auch sonst an nichts zu fehlen. Am Morgen sollen wir zum Frühstück kommen und erst danach aufbrechen. Der Nebel wird sich ohnehin nicht früher gelichtet haben, so sagt man uns und wir können das Angebot wohl kaum ablehnen. Pünktlich um sieben Uhr gibt’s Brot, Eier, Käse, Marmelade, Müsli, Joghurt, verschiedenste Säfte und Kaffee von Koch serviert. So üppig haben wir auch schon lange nicht mehr gefrühstückt. Noch rasch das Dinghi wegpacken und das Segel zusammenlegen. Zwei Aufgaben, die übrig geblieben sind, weil das Boot mitsamt allem drum und dran gestern Abend von Eiskristallen überzogen war. Endlich legen wir ab und fahren auf das offene Meer zu. Vom Ufer aus können wir kaum Eis erkennen, als wir aber weiter hinaus fahren werden immer wieder große Felder aus Eis sichtbar, die aus kleinen und mittleren Eisstücken bestehen, sich aber gut durchqueren lassen. Der letzte Eisbericht sah zwar nicht so optimistisch aus, nach vier Stunden (15 Seemeilen) fahrt nach Südost sind wir aber endgültig aus dem Eis draußen und das letzte bisschen Nebel verschwindet. Noch 600 Seemeilen bis zur Einfahrt nach Reykjavik.

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2 thoughts on “Grönland – Island 1

  1. Susanne T. says:

    Lieber Jonathan,
    habe nach längerer Lesepause, warum auch immer, endlich weitergelesen und erfreue mich immer an deinen Kommentaren und euren Erlebnissen ! Nun wünsch ich dir eine tolle Zeit mit Familie und Island. Parallel dazu schau ich einfach meine Island Doku an… Die Passage, die hinter euch liegt war die, die ich auch SEHR gern mitgesegelt wäre, ein Traum, im nächsten Leben halt. – Bei uns ists zu heiss, too much to stay outside!! Wir grüßen dich herzlich und weiterhin viel Glück mit richtigem Wind und ohne Gefahren !! Bis bald wiedermal,
    herzlichste Grüße, Susanne

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