Reykjavik und die Westmänner

Auch wenn nur schwacher Wind vorhergesagt ist, erwischen uns auf der Überfahrt nach Reykjavik immer wieder lang anhaltende Böen von über 25 Knoten. Die zwei Gäste verschlafen die meiste Zeit und schonen sich wegen der rauen See, als es dann aber etwas ruhiger wird übernimmt meine Schwester eine Schicht und passt auf das Boot auf, das sich zügig unter Selbststeueranlage durch die Wellen schiebt. Drei Stunden lang können Clari und ich schlafen während Hanna bei jedem Boot in der Nähe, bei Problemen mit der Windsteueranlage und bei Wetterverschlechterung einen von uns aufwecken soll. Am frühen Abend schon laufen wir in Reykjavik ein und sind damit deutlich schneller als erwartet. Für die gelungene Überfahrt gibt’s für uns alle Pfannkuchen als Belohnung. Die Marina in Reykjavik bietet nicht nur gratis Waschmaschinen und Duschen, sie verfügt auch über Internet und Aufenthaltsräume. Mit ca. 15 Euro Liegegebühren ist sie zudem unglaublich günstig. Wir genießen den Moment um uns Reykjavik anzusehen, es wird ein großes Feuerwerk im Hafen abgeschossen (zufällig ist heute Kulturnacht) und Clarissa kann mir endlich das „Café Babalu“ zeigen, von dem sie bereits seit zwei Jahren erzählt. Wir verabschieden uns von der Familie, die nun weiter Richtung Osten fährt um den restlichen Urlaub zu genießen und packen kurz darauf alles zusammen um zu den Westmännern aufzubrechen. Ein letzter Wettercheck verrät dann, dass wir schon wieder bis zu 35 Knoten Wind erwarten müssen. Gestern noch sah es gut aus, heute sehen wir nur zwei Optionen: Entweder wir segeln nach Grindavik und sind damit 50 Meilen näher an unserem Ziel, sitzen allerdings dann dort fest bis sich das Wetter bessert, oder wir bleiben in Reykjavik, buchen ein Auto und fahren zu dem 450 km entfernten Gletschersee, den ich mir so gerne angesehen hätte. Natürlich entscheiden wir uns für die zweite Option und buchen für den nächsten Tag einen kleinen PKW. Bei einem Tempolimit von 90 km/h und stürmischen Winden sind wir beinahe sechs Stunden unterwegs bis wir endlich an dem wunderschönen See angekommen sind. Hinter dem See zieht sich ein gewaltiger Gletscher entlang, der immer wieder kleine Eisberge in diesen kalben lässt. Das Eis ist im Vergleich zu dem in Grönland etwas stärker von Luftblasen durchzogen und es gibt außerdem Eisberge, die durch Asche komplett schwarz gefärbt sind. Ein wunderschöner Anblick, der besonders denjenigen zu empfehlen ist, die vielleicht noch nicht in Grönland waren um Eisberge anzusehen. Als wir uns wieder auf den Rückweg machen sind wir sehr zufrieden und machen einen letzten Besuch bei meiner reisenden Familie.
Am nächsten Tag packen wir abermals das Boot und checken das Wetter. Noch immer haben wir mehr als 25 Knoten zu erwarten, aber irgendwann müssen wir ja aufbrechen. Schwachwind von achtern bis wir Reykjanes, die SW Spitze Islands, gerundet haben, dann sind wir am Wind unterwegs. Aus schwachem Wind werden bald 15, dann 20, dann 25 und letztlich 30 Knoten, wobei wir durch die Landabdeckung kaum unter der Welle zu leiden haben. Ein Telefonat mit zu Hause empfiehlt uns einen Stopp auf den Westmännern. 20 Meilen fehlen noch und der Wind wird durch die Abdeckung der Südspitze Islands wieder weniger, dreht dann innerhalb weniger Minuten um 180° und frischt bis auf 20 Knoten auf. Die Westmann Inseln bringen komisches Wetter hervor. Wir laufen kurz nach Sonnenuntergang mit einem Rest von Licht in den gut geschützten Hafen ein. Bei wenig Wind darf Clarissa das Anlegen üben – und schlägt sich gut dabei. Kein Kratzer, keine Hetze, kein Geschrei. Wir machen an einem kleinen Schwimmsteg am Ende des Hafenbeckens fest und geben dem Hafenmeister Bescheid. 4000 Kronen (28 Euro) soll der Hafen kosten obwohl es keinerlei Facilities gibt und der Steg an dem wir liegen wohl kaum einer TÜV-Prüfung standhalten würde. Verglichen mit Reykjavik wirkt dieser Preis wie das unverschämte Ausnehmen von Touristen, wir bleiben dennoch bis sich das Wetter bessert. Genießen die raue, vulkanische Landschaft und wandern quer über die kleine Insel, besuchen das Vulkanmuseum (das modernste Museum, das ich je gesehen habe) und schlendern durch das schicke Städtchen. Der neue Wetterbericht sagt uns, dass wir, wenn wir morgen auslaufen, maximal 30 Knoten aus Nord abbekommen sollten und das nur für wenige Stunden, dafür aber ein Wetterfenster von mindestens vier Tagen haben um die 380 Seemeilen bis zu den Färöern zu meistern. Ablegen am Freitag um 1800 UTC, geweckt werden vom Sonnenschein. Diesmal muss es ja gut gehen.

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