Island – Färöer

Vor der Abfahrt füllen wir noch ein letztes Mal alle Kanister und den Tank bis zum Rand mit Diesel und gehen von den letzten isländischen Kronen Schokoladenkuchen mit Erdbeeren essen. Ob die Erdbeeren wohl in den isländischen Gewächshäusern im Geo-Thermal-Gebiet wachsen durften? Ihre Frische und Süße spricht jedenfalls dafür. Wenige Minuten später sind bereits die Leinen los und noch bevor wir den Westmännischen Hafen ganz verlassen haben stehen die Segel. Wir müssen jeden Wind auskosten, das ist klar, denn für die nächste Woche ist Schwachwind angesagt. Verängstigt von dem letzten Sturm und der aktuellen Wettervorhersage, die im Süden von uns bis zu 36 Knoten verkündet, lassen wir unsere Arbeitsfock einen halben Tag länger stehen als notwendig ehe wir die große Genua setzen. So verschenken wir wertvolle Meilen und es kommt noch schlimmer, denn kaum haben wir die Genua gesetzt, verschwindet das letzte bisschen Wind. Als Trost für den verpassten Wind verabschiedet sich Island von uns mit herrlichen Nordlichtern, die anfangs nur als grauer Schleier und später in der Nacht Grün, Türkis und sogar Lila wabernd am Himmel stehen. Noch nie habe ich ein so schönes Himmelsspektakel gesehen. Es folgt ein kompletter Tag unter Motor, dann zwei oder drei Stunden segeln, wieder der Motor und so weiter. Immer wieder schütten wir Kanister in den Tank, immer wieder rechnen wir hoch wie weit der Diesel noch reicht und immer wieder kommen wir zu dem Schluss, dass uns einige, ja fast 100 Seemeilen fehlen um durch die Flaute zu motoren. Wir nutzen jeden Windhauch, segeln mit zwei Knoten Fahrt nach NO statt SO und erkämpfen uns so hin und wieder fünf Meilen, bevor sich der Wind wieder komplett verabschiedet. Als es noch 150 Seemeilen bis Torshavn sind und schon aller Diesel bis auf unsere 10 Liter Reserve für die Hafeneinfahrt im Tank sind, entschließen wir so weit wie möglich unter Motor zu laufen statt ewig auf dem Meer herum zu treiben. Die richtige Entscheidung, wie sich einige Stunden später herausstellt, als der Wind endlich zunimmt und uns die gesamte Nacht über mit ca. 20 Knoten Halbwind voran bringt. Während wir durchs Wasser schießen und die Wellen um uns herum kräftig zu brechen anfangen, müssen wir bald feststellen, dass wir uns trotz des Windes nur mit zwei Knoten auf unser Ziel zu bewegen. Die Fahrt im Wasser schätze ich auf ca. 6 Knoten, wo also sind die restlichen geblieben? Wir müssen wohl genau zur falschen Zeit angekommen sein, denn die Tidenströmung setzt gerade mit voller Kraft gegen uns, bringt die Wellen zum Brechen und uns beinahe zum Stillstand. Wir kämpfen einige Morgenstunden gegen die Tide an, bis sie endlich nachlässt, kentert und uns durch das Nadelöhr vor Torshavn Richtung Osten saugt. Morgen schon wollen wir weiter auf die Shetlands um unsere verlorene Zeit aufzuholen. Torshavn wird also nur ein sehr kurzer Stopp zum Diesel, Wasser und Energie tanken.

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