Endlich angekommen

Nach 6,5 Tagen Überfahrt sind wir vergangene Nacht in Rif, Island, eingelaufen. Die letzten 24 Stunden waren sehr rau und wir haben mal wieder den einen oder anderen Schaden am Schiff zu beklagen, uns geht es aber gut und sobald wir uns etwas erholt haben gibt es auch einen Bericht.

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Grönland – Island 2

Auch in den folgenden Stunden kommt kein Eis in Sicht und am Abend fühlen wir uns bereits sicher genug um die Nacht durch zu segeln. Der Wind frischt bis auf 25 Knoten auf und wir kreuzen für eine längere Zeit auf ohne recht voran zu kommen. Das Tief zieht vorbei und lässt uns bei schwachem Wind von vorn zurück. Der Wind dreht langsam auf West, ist mal schwächer und mal bis zu 20 Knoten stark, ansonsten verlaufen die Tage aber ereignislos und unser Highlight besteht aus kleinen Walen mit platten Schnauzen und den Berichten, die wir jeden Tag um 0530, 1130,1730 und 2330 UTC an Greenpos (Grönländisches Berichtssystem zur Sicherheit von Yachten) senden müssen. Unser jetziger Bericht sieht aus wie folgt:

PR (Position report)

Ship name: TAKAMAKA
Date and Time: 09th of August 2015, 2330 UTC
Present position: 62°02’N 34°30’W
Course: 75°
Speed: 5 Knots
Actual weather and ice: No ice, 13 knots wind from W.

Immerhin hatten wir die letzten 24 Stunden gut 20 Knoten Westwind und konnten mit 5-7 Knoten Fahrt gut Strecke machen, sodass es nur noch 365 Seemeilen bis nach Reykjavik in den Hafen sind.
Wir erhoffen uns eine baldige Ankunft, denn ab Mittwoch erreichen uns die Wellen eines zweiten Tiefs aus dem Süden mit zehn Metern Höhe.
Trotz allem jammern und klagen wollen wir festhalten, dass das Segeln schon seit sehr langer Zeit nicht mehr so entspannt war wie jetzt (es ist sogar beinahe angenehm warm).

Grönland – Island 1

Noch knapp zwei Meilen sind es bis zur Wetterstation, da liegt ein mächtiger Eisberg in unserem Weg. Mindestens 30 Meter hoch und wohl auf weit mehr als hundert Metern Tiefe ist er auf Grund gelaufen und schaukelt um ein paar Meter hin und her. Wenn er sich im falschen Moment dreht, bleibt von unserer Takamaka nicht viel übrig und dementsprechend drücke ich den Gashebel noch ein Stückchen weiter nach unten. Fast drei Knoten Fahrt aufs Ziel zu. Das fühlt sich nach mehr als sieben eher an als würden wir auf der Stelle stehen, aber die Strömung ist nun mal gekippt und der Wind mit 20 Knoten gegen an. Der Nebel lichtet sich als wir um den Eisberg herum sind und wir erkennen aus mehr als einer Meile unseren Liegeplatz für die Nacht. Ein mit alten Reifen gefenderter Stahlpier und viel mehr Häuser als wir erwartet hätten liegen vor uns. Das Anlegen ist ein Kinderspiel, die Leinen schützen wir mit Plastikschläuchen gegen das Scheuern an der Mole und nach wenigen Minuten bin ich auf dem Weg zur Wetterstation. 280 Stufen sind es bis oben und der erste Empfang kommt von drei Hunden, die sich um mich herum stellen und mich wie wild anbellen, jedoch nie zu nahe kommen. Von den Menschen werde ich freundlicher empfangen (auch die Hunde stellen sich später als friedlich und zutraulich heraus. Ihre Aufgabe besteht normalerweise darin mit ohrenbetäubendem Gebell vor Eisbären zu warnen) , darf im Internet nach Wetter und Eis schauen (es gibt leider keine neuen Eiskarten seit dem 02.08.) und bekomme einen Kaffee serviert. Als man mir dann auch noch Schichttorte anbietet, erinnert mein schlechtes Gewissen mich daran, dass Clarissa unten wartet und das Boot aufräumt, während ich im warmen sitze. Ich renne also mit einer großen Provianttasche, die ich geschenkt bekommen habe, alle Stufen wieder hinab und zusammen mit Clari, ohne Tasche, wieder hinauf. Jetzt ist Zeit für eine Schichttorte, für das Gästebuch und eine lange Unterhaltung mit drei von den acht Mitarbeitern der TelePost, die hier stationiert sind. Die Gebäude bieten mehr Luxus als alle anderen, die wir zuvor in Grönland gesehen haben und es scheint auch sonst an nichts zu fehlen. Am Morgen sollen wir zum Frühstück kommen und erst danach aufbrechen. Der Nebel wird sich ohnehin nicht früher gelichtet haben, so sagt man uns und wir können das Angebot wohl kaum ablehnen. Pünktlich um sieben Uhr gibt’s Brot, Eier, Käse, Marmelade, Müsli, Joghurt, verschiedenste Säfte und Kaffee von Koch serviert. So üppig haben wir auch schon lange nicht mehr gefrühstückt. Noch rasch das Dinghi wegpacken und das Segel zusammenlegen. Zwei Aufgaben, die übrig geblieben sind, weil das Boot mitsamt allem drum und dran gestern Abend von Eiskristallen überzogen war. Endlich legen wir ab und fahren auf das offene Meer zu. Vom Ufer aus können wir kaum Eis erkennen, als wir aber weiter hinaus fahren werden immer wieder große Felder aus Eis sichtbar, die aus kleinen und mittleren Eisstücken bestehen, sich aber gut durchqueren lassen. Der letzte Eisbericht sah zwar nicht so optimistisch aus, nach vier Stunden (15 Seemeilen) fahrt nach Südost sind wir aber endgültig aus dem Eis draußen und das letzte bisschen Nebel verschwindet. Noch 600 Seemeilen bis zur Einfahrt nach Reykjavik.

Durch den Prins Christian Sund nach Ost-Grönland

Kein Wind lässt sich blicken und uns fehlen noch 25 Seemeilen bis Nanortalik, Diesel haben wir aber nur noch für ca. 14 Seemeilen und so entschließen wir uns irgendwann, das Dinghi mit unserem kleinen 2,5 PS Motor an die Seite zu binden und damit zu ziehen. 3,2 Knoten Spitzengeschwindigkeit ist das Maximum, aber wir müssen ja nur wenige Seemeilen überbrücken und wenn wir einen Kanister leer fahren (der kleine Motor schluckt einen Liter Sprit innerhalb von 40 Minuten), können wir immerhin mehr Diesel für die Überfahrt bunkern. Es geht vorbei an Untiefen, Steinen, kleinen Inseln und Eisbergen, bis wir endlich Nanortalik vor uns liegen haben. Nach 260 Seemeilen kommen wir endlich an und finden rasch einen Liegeplatz – längsseits an zwei weiteren Segelbooten. Ganz schön viel los hier im Süden. Wir duschen, kaufen ein, erkundigen uns nach Internet, Diesel, Wasser und der Post. Postkarten verschicken, Souvenirs kaufen und Informationen über Eis im Osten einholen. Die Eismassen versperren noch immer die Ausfahrt aus dem Prins Christian Sund und es ergibt sich nur alle paar Tage eine Chance hindurch zu fahren, wir hoffen einfach auf unser Glück, das wir ja bisher mit dem Eis immer hatten. Mama und Familie sind bereits auf dem Weg nach Island wie wir erfahren – da fehlen nur noch wir. Während ich all die Informationen sammle ist Clarissa noch auf dem Boot, als ein mächtiger Growler sich unter dieses schiebt. Als sie zu mir kommt ist sie etwas durcheinander und erzählt mir von ihm und der Windsteueranlage, die er verbogen haben könnte. Ich muss sofort nachsehen, lasse sie mit dem Laptop zurück und begutachte den Schaden. Der Growler muss mehr als die Takamaka wiegen und treibt sich noch immer zwischen den drei Booten herum, die Windsteueranlage hat aber zum Glück eine Sicherheitsvorrichtung, so dass sich das Ruderblatt nach hinten hinaus bewegen kann, wenn zu viel Druck darauf kommt. Ich muss also nur eine Schraube lösen, es wieder gerade stellen und alles ist wieder gut, alle sind wieder glücklich.
Gegen Mittag fahren wir mit dem Ziel Frederigsdal los. Ein bisschen Wind aus dem Osten, ein Kreuzfahrtschiff und das war auch schon alles bis wir ankommen. Die Bucht im Norden ist geschützt vor Wind, es treiben sich einige Growler darin herum und ich beschließe auf knapp fünf Metern zu ankern. Ein Fehler, wie sich nachts um drei Uhr herausstellt, denn unser Kiel setzt sanft im Sand auf. Bis ich es gemerkt habe, liegen wir allerdings auch schon ein paar Zentimeter über der üblichen Wasserlinie und es kostet uns fast eine Stunde um das Schiff wieder frei zu bekommen. Morgens um acht noch ein kurzer Blick auf die ersten Wikinger-Häuser Grönlands, dann geht es schon wieder weiter – Ziel: Aappilattoq, rund 20 Meilen im Sund.
Die Strömung unterstützt uns tatkräftig und wir sind bald dort. Gerade laufen zwei Yachten, die bereits in Nanortalik neben uns lagen, aus und berichten, dass das Wasser am Steg vermutlich zu niedrig sei. Wir ankern wenige Meter davon entfernt, so müssen wir schon keine Leinen nachführen. Wasser und Diesel werden ein letztes Mal bis zum Rand aufgefüllt, am nächsten Morgen noch Brot einkaufen und (kostenlos!) duschen, dann geht es schon wieder weiter. Die Strömung trägt uns durch den Sund, vorbei an 1500 Meter hohen Bergen, vorbei an Gletschern und Eisbergen, vorbei an Wasserfällen und Robben. Bis zu 7 Knoten machen wir über Grund, als wir eine Engstelle passieren. Überall neben uns drehen sich Eisberge von mehreren Metern Durchmesser im Kreis und schwimmen in alle Richtungen als würden sie tanzen. Steine in einer Tiefe von rund einhundert Metern sorgen für Verwirbelungen und Strudel an der Oberfläche, die dieses Phänomen erzeugen, das mich immer wieder dazu bewegt die Fahrt zu erhöhen oder zu verringern, um den gewaltigen Brocken auszuweichen.
Inzwischen sind wir nur noch 7 Seemeilen von der Wetterstation am Ostende des Sundes entfernt, von der aus wir durch den Gürtel aus Packeis starten wollen. Ein letzter Stopp bevor wir uns auf den Weg nach Island machen.
To Dos:
Neues Großsegel einziehen – erledigt
Wasser bunkern – erledigt
Diesel auffüllen – erledigt
Boot aufräumen – erledigt
Putzen – erledigt
Vorsegel zusammen5legen – heute Abend
Dinghi wegpacken – heute Abend
Ölstand kontrollieren – heute Abend
Los fahren – morgen früh

Ab in den Süden

Wir bleiben noch einen zweiten Tag im Evighedsfjord ehe wir uns auf den Weg nach Nuuk machen. Erst über 20 Knoten Wind gegen an, dann von achtern und wenige Stunden später die gewohnte Flaute für die restlichen 90 Seemeilen. Wir kommen bei Nacht in Nuuk an. Am nächsten Tag stehen Wäsche waschen, Einkaufen und Internet an, abends gibt’s zur Belohnung die gesammelten Miesmuscheln und am nächsten Tag noch einmal Internet bis die Wäsche fertig ist. Als wir ablegen ist es bereits 16 Uhr und die Fischfabrik, bei der wir Wasser bunkern wollen, hat bereits geschlossen. Diesel tanken und Wasser suchen. Wir werden am Ende einer flachen Marina für Motorboote fündig, in die wir bei Hochwasser einlaufen. Der Tank ist innerhalb von wenigen Minuten voll und wir können endlich weiter nach Süden segeln. Der Wind weht von achtern, von der Seite und dann von vorn. Nachts wird es inzwischen wieder erschreckend dunkel, außerdem umgibt uns die meiste Zeit dichter Nebel. Als wir in Lichtenfels, einer Bucht rund 80 Seemeilen von Nuuk entfernt, ankommen, weht zwar kaum Wind, wir müssen aber feststellen, dass die Bucht nach Westen hin komplett ungeschützt ist und die Karten in keiner Weise stimmen. Über die Mündung der langgezogenen Bucht kommt man nämlich nicht hinaus, außerdem stimmt weder die Ausrichtung der Karte noch irgend etwas sonst in der Nähe. Solang der Wind unter zehn Knoten bleibt können wir dennoch hier bleiben – das kommt uns ganz gelegen, denn der Wind bläst eisig über die Hügel und der Nebel schlägt sich überall nieder. Ein Friedhof mit grönländischen Steingräbern erwartet uns an Land, bei den Temperaturen kann ich dieser Anhäufung von Gräbern (es müssen wohl um die hundert Gräber sein) nur wenig abgewinnen und während Clarissa sich voller Begeisterung umsieht, will ich nur rasch zum Boot zurück. Tatsächlich ist der Friedhof ein interessanter Ort. Die sonst vereinzelt auf den Berghängen stehenden Gräber aus angehäuften Steinen stehen hier dicht beieinander, wobei einige von ihnen sogar mit alten Holzkreuzen „geschmückt“ sind. Das erklärende Schild des Bischofs können wir jedoch leider nicht lesen (in Grönland ist das meiste nur in Dänisch und Grönländisch beschriftet).
Am Morgen des kommenden Tages wehen rund zehn Knoten als ich den Anker aufhole und damit das Boot vor dem nur wenige Meter fernen Ufer schütze. Kaum verlassen wir den Fjord, wehen schon rund zwanzig Knoten von achtern. Wir freuen uns über fünf, nein sechs, bald sieben Knoten Fahrt aufs Ziel zu und malen uns bereits aus, dass wir mit etwas Glück bereits in zwei Tagen in Nanortalik, im Süden Grönlands, sein könnten. 260 Seemeilen müssen wir zurück legen und schon nach 60 lässt der Wind wieder nach. Das übliche Motoren und aufkreuzen folgt, während die Strömung uns hart zusetzt und der Wind das Motoren ausschließt. Eisberge sind überall um uns herum, Nebel verschlechtert die Sicht und in der Nacht müssen wir den Treibanker ausbringen um nicht Gefahr zu laufen auf einen der Berge zu fahren. Inzwischen sind wir nur noch weniger als 50 Seemeilen von Nanortalik entfernt, der Diesel ist zwar beinahe leer, dafür weht aber wieder Wind von achtern und der Nebel hat sich verzogen. Mit etwas Glück laufen wir morgen früh in Nanortalik ein, wo wir die letzten Einkäufe erledigen wollen, bevor wir uns auf den Weg durch den Prince Christian Sund machen, der durch die Südspitze von Grönland führt und damit unsere Strecke für die Überfahrt nach Island beinahe halbieren soll.

Bildernachtrag Ilulissat – Eqip Sermia – Disko Insel

Faeringe Nordhavn – Tasiussaq

Der Ankerplatz ist gut geschützt aber beinahe unspektakulär. Kein Fisch will beißen (eine Seltenheit in Grönland), an Land sind einige Fallen, ansonsten gibt es nichts zu sehen auf der kleinen Insel hinter der wir liegen. Am nächsten Morgen geht es direkt weiter, hinein in den Nebel, der uns bis Sisimiut begleitet. So schlechtes Wetter hatten wir schon lange nicht mehr. Seit zwei Tagen ist der Himmel bedeckt, heute ist es sogar nebelig und kalt ist es auch geworden. Immerhin können wir inzwischen wieder segeln, was uns ganz gelegen kommt, denn gerade haben wir entdeckt, dass die Diesel-Ablaufleitung von den Einspritzpumpen heruntergerutscht ist und der Diesel munter in die Bilge plätschert. Das Ganze bedeutet nicht nur den Verlust von einigen Litern Diesel, sondern auch Dieseldampf im Schiff. Wenig angenehm und dringend zu beheben. Winfried stellt fest, dass die Leitung schon immer zu kurz gewesen und die Schelle, die sie auf dem Rohr befestigen sollte, nie auf diesem saß. Mit vulkanisierendem Klebeband sollte unser Motor zumindest im Notfall über einige Stunden einsatzfähig bleiben, beschließe ich und wickle den Schlauch mitsamt Schelle und Rohr kräftig ein. Solange wir wie jetzt mit sieben Knoten Fahrt unter Segeln dahin schießen, wollen wir diese Konstruktion allerdings nicht auf die Probe stellen, also schließen wir den Motorraum wieder und freuen uns auf Sisimiut, das langsam hinter dem sich lichtenden Nebel zum Vorschein kommt. Kurz vor dem Hafen holen wir dann das Großsegel herunter und starten den Motor. Als das Segel gerade fertig festgebunden ist, merke ich, dass der Motor nicht hoch dreht, egal wie ich den Gashebel bewege. Außerdem kommt zum Auspuff schwarzer Qualm heraus. Sofort stoppe ich den Motor, während Winfried rund fünfzig Meter vor der Hafeneinfahrt das Vorsegel setzt. Der Wind ist durch die Landabdeckung deutlich schwächer geworden und mit dem letzten bisschen Fahrt gehen wir bei einer Alu-Yacht längsseits. Als die Leinen fest sind öffne ich als erstes den Motorraum und sehe gleich den Kompressionshebel, der einen unserer zwei Kolben dekomprimiert. Er liegt auf der falschen Seite, was bedeutet, wir sind nur auf einem Kolben gelaufen während der Diesel im anderen nur unverbrannt ausgespuckt wurde. Kein Wunder also, dass der Motor nicht auf Drehzahl gekommen ist. Ich muss den Hebel beim Abkleben des Schlauches vergessen haben zurückzulegen und habe mir dadurch ein Segelmanöver im Hafen eingebrockt – selber schuld. Ich starte den Motor wieder und – wer hätte es gedacht – die Drehzahl lässt sich ohne weiteres erhöhen, der schwarze Qualm ist fort und alle Ängste sind verflogen. Wir sind inzwischen in Sisimiut angekommen und Winfried bereitet sich auf seine Heimreise vor. Der Rucksack wird gepackt, ein Eintrag ins Gästebuch geschrieben und im Hotel wird geduscht. Clarissa und ich wollen Wäsche waschen, was wir bei 60 Euro für einen Sack Wäsche dann aber doch verschieben. In den anderen Dörfern zahlen wir dafür maximal ein Drittel. Außerdem finden Clari und ich ein Gerät zum SD Karten auslesen. Seit Tagen können wir nicht fotografieren, weil ich all unsere Bilder seit Eqip Sermia, dem Gletscher, unserer Inlandeis-Wanderung und unserer Eisbrecher-Fahrt von der SD-Karte gelöscht habe. Zusammen mit dem Gerät können wir die Bilder zum Glück wieder herstellen. Winfried kommt mit einigen Schläuchen vom Müll zum Boot und tatsächlich passt einer davon perfekt als neuer Schlauch für die Dieselleitung. Jetzt kann Winfried guten Gewissens in seinen Flieger steigen, schließlich hat er (mit uns) das halbe Boot repariert. Die andere Hälfte wartet dann wohl auf mich bis wir in Deutschland sind. Wir legen noch einen Tag Pause in Sisimiut ein, organisieren eine Gasflasche mitsamt Adapter zum Umfüllen in unsere (was zugegebener Maßen nur mehr oder weniger gut klappt) und fahren dann weiter gen Süden, zurück nach Tasiussaq, dem Ankerplatz im Evighedsfjord, an dem wir schon bei unserer Hochreise gelegen haben. Kurz nachdem wir Sisimiut verlassen haben fängt der Wind an zu blasen. Natürlich aus Süden, der Richtung in die wir gerade wollen. Bald sind es mehr als 20 Knoten und wir wechseln das Vorsegel. Unter Deck und auch auf dem Vorschiff purzelt alles, was die letzten Wochen nie daran gedacht hat seinen Platz zu verändern. Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass wir Wind von dieser Stärke haben und das Ganze natürlich gegen an. Wir brauchen mehr als 24 Stunden bis wir endlich an unserem Ankerplatz angekommen sind und gefühlt eine weitere Stunde bis wir schließlich einen Platz gefunden haben, an dem unser Anker zumindest ein bisschen hält. Nach diesem ungewohnt windigen Erlebnis legen wir erst einmal eine Pause ein und machen uns bei Ebbe auf die Suche nach Miesmuscheln, die hier überall am Strand liegen. Morgen geht es nach Nuuk weiter, von wo aus wir dann auch endlich die letzten Bilder hoch laden wollen (nachdem wir sie nun wieder hergestellt haben).

Rodebay – Faeringe Nordhavn

Bei der Kontrolle unseres Kiels in Rodebay muss ich feststellen, dass wir deutlich härter aufgesessen sind als erwartet. Wir müssen irgendwie auf eine scharfe Steinkante aufgetroffen sein, die sich tief ins Fiberglas gebohrt hat, denn das gesamte Fiberglas ist bis zum Blei auf Größe einer Handfläche weggeschlagen und das Blei schaut heraus. Im ersten Moment klingt es schrecklich und fühlt sich auch so an, Winfried versichert mir aber, dass man das Ganze nach dem Winterlager mit Flex, Fiberglas, Epoxy und Spachtelmasse wieder sauber hinbekommt. Ich bin für den Moment erleichtert und froh, dass kein größerer Schaden entstanden ist, der unsere Weiterreise beeinträchtigt. Heute soll es nämlich auf die Disko Insel gehen, die von einer leicht erreichbaren Gletscherkappe überzogen ist. Nachdem wir in dem kleinen Dörfchen eine Dusche genommen haben (es gibt in allen Dörfern Gemeinschaftsduschen, die für wenig Geld zur Verfügung gestellt werden) und ich ein paar Walknochen aus dem Wasser gefischt habe, geht es nach Westen durch den Eisgürtel des Jakobshavn Fjords, der nach unserer letzten Eis-Erfahrung am Gletscher weit weniger beeindruckend und beängstigend wirkt als bei seiner ersten Durchquerung. Irgendwann im nicht existenten Morgengrauen kommen wir in dem Städtchen Qeqertarsuaq an und legen uns zwischen einige Motorboote, wobei wir bei 11 Metern Wassertiefe Gefahr laufen in sie hinein zu treiben (da unsere Ankerleine viel länger ist als die Leine ihrer Mooring-Bojen). Der Wind dreht immer weiter und tatsächlich ist es am Mittag soweit, dass wir längs an ein Motorboot heran gedrückt werden. Die Grönländer scheinen sich zwar nur sehr wenig aus Macken und Schrammen in den Booten zu machen, wir sind aber dennoch froh, dass wir unsere Fender ausgehängt haben. Ich ziehe die Takamaka mit dem Dinghi weg und bringe einen Heckanker aus, der uns jetzt in der Mitte der Einfahrt, weit weg von den Motorbooten hält. Anschließend setze ich meine Suche nach Gas fort und werde bald fündig. Knapp 80 Euro kostet mich eine 6 Kilo Kartusche Gas, 30 davon sind Pfand. In Deutschland läuft das anders herum, da werden die vollen Kartuschen aber auch nicht per Schiff aus Dänemark angeliefert. Als ich das Siegel öffne und meinen Adaptersatz für Europa heraus hole, stelle ich fest, dass kein passender Adapter dabei ist. Zwar werden die Kartuschen aus Dänemark geliefert und sind sogar deutsch beschriftet, der Adapter passt jedoch nicht. Die Schuld, wenn es eine solche gibt, sehe ich eher bei dem Outdoor-Laden, der mir die Adapter verkauft hat. Netter Weise nimmt der Besitzer der Tankstelle die Kartusche zurück und so richten wir uns eben für die Wanderung zum Gletscher ohne Gas auf Reserve zu haben. Die alte Gaskartusche sollte noch ein paar Tage halten und wir hoffen auf Adapter in den größeren Städten.
Zum Gletscher geht es einen verhältnismäßig gut gekennzeichneten Weg in die Berge. Eher eine Touristen-Autobahn, die jeden Tag von mehreren dutzend oder sogar hunderten Wanderern genommen wird. Trotzdem brauchen wir eine ganze Weile, um die ca. 800 Höhenmeter zu erklimmen. Als wir oben ankommen, sehen wir zwei kleine Häuser, die für Touristen betrieben werden, es scheint jedoch niemand da zu sein. Wir sehen zwei Personen auf Hundeschlitten langsam über die sich vor uns erstreckende Eiskappe fahren und nach einer Weile noch langsamer wieder zurück kommen. Ob das der richtige Umgang mit Tieren ist? Nach dem Bericht der Deutschen, die gerade noch mit einem Guide auf dem Schlitten stand und erzählt wie schwer es den Hunden fällt durch den nassen Schnee zu laufen, entscheiden wir uns endgültig dagegen eine solche Tour zu buchen. Auch wenn diese Hunde in Grönland das sind, was in Deutschland lange Zeit die Pferde waren, müssen wir als Touristen diesen Umgang mit den Lasttieren nicht fördern und sie dadurch noch mehr beanspruchen.
Wir prägen uns den Gletscher ein letztes Mal ins Gedächtnis und beginnen dann mit dem weit weniger beschwerlichen Abstieg. Am nächsten Tag gibt es für mich noch Internet, Eis und Kaffee und schon sind wir wieder auf dem Meer in Richtung Hunde Ejland, einer kleinen Insel im Süden der Disko Bucht. Mit dem Spinnaker als Blister (ohne Baum, der will nicht mehr) können wir einige Stunden segeln, bevor der Wind wie üblich wieder in einer Flaute endet. Dass wir jemals so viel unter Motor fahren würden, hätten wir bis zu unserer Ankunft in Grönland abgestritten und selber nie erwartet. Wie sich die Dinge eben ändern…Den Rest der knapp 40 Meilen legen wir unter Motor zurück und kommen wieder einmal nach Mitternacht in der Bucht an. Eng ist die Einfahrt und es wird rasch zu flach für uns. Ich entscheide mich in Mitten der Einfahrt zu liegen und einen Heckanker gegen das Schwojen auszubringen. Nach fünf Minuten sind wir fertig und haben einen wunderschönen Ankerplatz für uns. Würden hier nicht permanent Motorboote an uns vorbeijagen, wäre es perfekt mit dem Blick auf das winzige Dörfchen mit ca. 80 Einwohnern und scheinbar genauso vielen Häuschen. Am nächsten Morgen/Mittag erkunden wir das Städtchen, finden einen kleinen Supermarkt, einen Friedhof mit mehr Gräbern als es Einwohner gibt, eine kleine Kirche und treffen einen Isländer, der uns viel über das Dorf und die Menschen hier erzählt. Er ist mit einer Inuit verheiratet und lebt seit sechs Jahren in Grönland. Er stellt uns seinen Sohn und seine Frau vor, erzählt uns von der dänischen Königin, die heute Abend zu Besuch kommt und zeigt uns Schmuck, Inuit-Stickereien und Stricksachen, die seine Frau herstellt. Natürlich kaufen wir ihr einige Kleinigkeiten ab und freuen uns über die nette Gesellschaft bis zum Abend, denn natürlich warten wir auf die Königin, schließlich kann man sie nicht jeden Tag von einer solchen Nähe sehen und außerdem sind wir gespannt auf die Inuit-Gewänder, Lieder und Tänze, die ihr zu Ehren aus- und aufgeführt werden sollen. Als es soweit ist, ist das ganze Dorf aufgeregt zum Wasser gekommen und heißt sie willkommen auf dieser winzigen Insel. Da wird stolz die kleine Kirche präsentiert, man hält Reden und schließlich kommen wir bei einem Spielplatz vor dem Dorfzentrum an, an welchem eine lange Tafel im Freien aufgebaut ist und Kaffee für die königlichen Gäste mitsamt Gefolge serviert wird. Die grönländische Nationalhymne wird gesungen und ein Wolfstanz im alten Stil der Inuit wird aufgeführt. Alles wirkt sehr authentisch und wir sind froh, dass wir daran teilhaben durften, dann müssen wir aber los. Kurze Zeit später holen wir den Anker auf und wollen gerade los fahren, da fährt die Königin mit ihrem Gefolge in einem hübschen Dinghi vorbei und winkt höflich. Da freut man sich doch.
Drei Stunden segeln, dann wieder unter Motor gen Süden. Knapp 80 Seemeilen liegen vor uns bis wir am Faeringe Nordhavn, einem mittelgroßen Fjord mit ruhigem Ankerplatz, ankommen. Ganz ereignislos verfliegen die Stunden, kein Wal und beinahe kein Eisberg kreuzt unsere Wege, keine Untiefe und keine anderen Boote. Nichts.

Zuwachs

Der aufmerksamen Leserin und dem fleißigen Leser dürfte inzwischen aufgefallen sein, dass Jonathan und die Takamaka seit geraumer Zeit dauerhaften Zuwachs erhalten haben. Deshalb ist es wohl an der Zeit, mich all jenen vorzustellen, die mich noch nicht kennen.
Ich bin Clarissa, 23 Jahre alt, Studentin – und hatte vor dieser Reise vom Segeln ungefähr so viel Ahnung wie von der Raumfahrt. Naja, nicht gar so schlimm, aber meine Segelerfahrungen beschränkten sich auf ein Segelschullandheim am Bodensee vor acht Jahren und einen zweiwöchigen Segelurlaub im Sommer 2013 mit Jonathan auf der Ostsee, der uns immerhin bis Kopenhagen gebracht hat. Alles in allem nicht gerade viel.
Und jetzt gleich ins eisige Grönland.
So mancher mag sich vielleicht fragen, wie man ohne Segelerfahrung auf die Idee kommt eine solche Reise mitzumachen.
Die Entscheidung von Portugal bis auf die Kap Verden mit zu segeln, fiel ziemlich spontan.
Wie kann man gewonnene Freizeit besser nutzen, als eine Reise mit dem Segelboot zu machen? Gesagt, getan. Los ging’s von Portugal über Madeira, die Kanaren auf die Kap Verden.
Nach gefühlt 14 Tagen am Wind aufkreuzen war die Begeisterung zugegebenermaßen ein bisschen gemindert und ich fürchtete noch weiteren Gegenwind während der Überfahrt auf die Kap Verden. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit hat sich der Wind dann unserer erbarmt und auf einmal war das Segeln eine sehr angenehme Art zu reisen.
Die Tage, die wir an Land verbrachten haben uns für alle Mühen auf See entlohnt und bei der Ankunft in Sal hatte mich das Reisefieber endgültig fest im Griff.
Nach Jonathans ausdauernden Überredungsversuchen und der Rückkehr in einen grauen Kieler Winter war spätestens zu Neujahr klar: Ich komme auch für den Rest der Reise mit!
Noch rasch alles mit der Uni geklärt, Prüfungen bestanden und Abflug in die Dominikanische Republik.
Die restliche Zeit auf den karibischen Inseln und das warme Wetter habe ich sehr genossen und nach vielen Langstrecken sind wir endlich in Grönland angekommen.
An die langen Strecken auf See habe ich mich noch immer nicht gewöhnt, vor allem bei schlechtem Wetter, in Kälte und Nebel ist das Segeln unglaublich kräftezehrend, aber immerhin hat mich die Seekrankheit bisher verschont.
Der Augenblick, in dem man nach vielen Tagen auf See das erste Mal Land sieht, entlohnt einen für so mache Strapazen und sobald man wieder festen Boden unter den Füße hat, sind alle Widrigkeiten schon vergessen.
Jetzt genießen wir Grönland, die Zeit verrinnt viel zu schnell und wir würden gerne noch länger bleiben, da es so viel Einzigartiges zu sehen und zu erleben gibt.
Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf die Ankunft in Deutschland und darauf, das heimische Segelrevier Ostsee zu erkunden und einen Segelschein zu machen.
Würde ich mich noch mal auf eine solch lange Segelreise einlassen? Auf jeden Fall! Ich habe Feuer gefangen und werde sicherlich auch in Zukunft durch die Welt segeln.
Die einzige Frage die bleibt, ist: Wohin als nächstes? Kaffeefahrt oder Nord-West-Passage?

Im Eis unterwegs – Ilulissat, Rodebay und Eqip Sermia

In Schlangenlinien fahren wir aus Ilulissat hinaus und immer weiter nach Norden. Heute Nacht wollen wir in Rodebay, einem kleinen Dörfchen wenige Seemeilen nördlich von Ilulissat, bleiben und dort in einem deutschen Restaurant lokale Speisen probieren. Als wir unseren Weg durch die Einfahrt gefunden haben (der bei der südlichen Einfahrt nur wenige Meter von der Felswand im Süden entfernt ist), finden wir bald unseren Ankerplatz. Wohl geschützt durch die Untiefen überall um uns herum müssen wir keine Angst vor den Eisbergen haben, die zu hunderten in geringer Entfernung vorbei treiben. Als wir in das Dorf kommen, finden wir rasch das Restaurant. Wie wir erfahren, kochen hier allerdings nicht mehr die erwarteten Deutschen, sondern eine Einheimische, die uns Heilbutt mit Kartoffeln anbietet. Gerne nehmen wir das Angebot an und essen den wohl besten Fisch meiner Reise (und somit auch meines Lebens). Das angeschlossene Wanderheim steht gerade komplett leer und Clari und ich packen die Gelegenheit beim Schopf und genießen die erste Nacht seit unserer Abreise in Deutschland in einem richtigen Bett. So bequem war es schon lange nicht mehr und bei dieser Aussicht zahlen wir auch gerne den stolzen Preis. Am nächsten Morgen gibt’s Frühstück im Restaurant, dann geht es auch schon weiter nach Atta, einem Ort für Touristen im Atta Sund. Schon bei der Einfahrt werden die Eismassen immer dichter und uns wird klar, dass wir das erste Mal zwischen Eisschollen ankern müssen. Beim Camp angekommen ankern wir erst einmal direkt vor dem Camp, einem sehr ungeschützten und ungünstigen Platz. Auf Nachfrage im Camp empfiehlt man uns eine Bucht weiter rechts, die sehr geschützt sein soll (schon zuvor wollten wir diese anfahren, haben uns wegen der Eissituation allerdings dagegen entschieden). Alternativ dazu überprüfen wir noch die Bucht links vom Camp, die auch sehr geschützt wirkt und bei einer Dinghi-Testfahrt tief genug scheint und Sand als Ankergrund bietet. Wir entscheiden uns dennoch für die rechte, da die andere zum Gletscher hin offen ist und bei einem Winddreher Gefahr durch die Eismassen droht. Als wir am Ankerplatz angekommen sind, erkennen wir ein weiteres Boot aus Deutschland, die Polaris. Als wir am Morgen los fahren, liegen einige Eisbrocken in der Einfahrt zur Bucht, ansonsten ist es weitestgehend eisfrei. Gerade als wir bei den Eisbrocken in der Einfahrt angekommen sind und uns einen Weg ausgesucht haben, genau da sehe ich einen Stein voraus. Ich stehe wegen des Eises am Bug und kann wegen der Schwebstoffe im Wasser gerade einmal einen Meter tief und maximal fünf Meter weit sehen. Winfried steht am Ruder und reagiert auf meinen Aufschrei „Fels! Rechts!“ gerade noch damit, den Gashebel nach hinten zu treten. Wenige Sekunden später kommt schon der erwartete Knall und wir rutschen über den Felsen, der genau in der Einfahrt liegt. Die Karten zeigen im gesamten Fjord nicht einmal Tiefen und ausgerechnet hier liegt ein Stein. Innerhalb von wenigen Sekunden sind wir wieder frei und Winfried fährt weiter westlich hinaus, während ich mich unten umsehe, auf Wassereinbruch überprüfe und den Schaden begutachte. Innen sieht alles in Ordnung aus. Ein wenig Motoröl hat wieder seinen Weg durch den Saloon gefunden, Töpfe, Pfanne, Reibe und Brettchen sind durch die Gegend geflogen, Clari geht es aber gut. Der Tag fängt jedenfalls nicht so gut an wie erhofft und die Stimmung ist die folgenden Stunden eher getrübt, während wir an den Gletscher, Eqip Sermia, fahren. Vom Gletscher aus wollen Clarissa und ich zum Inland-Eis wandern, während Winfried angeboten hat solange auf das Boot aufzupassen. Dort angekommen finden wir einen, für dortige Verhältnisse exzellenten Ankerplatz vor der Mündung eines Flusses, der mit seiner Strömung alles Eis weg schiebt und gleichzeitig eine langsam ansteigende Flussmündung voller Sand bietet. Der Anker greift sofort und wir pendeln uns in mehr als einem Knoten Strömung ein. Die Ivilia, das französische Boot, das wir bereits in Maniitsoq und Aasiaat getroffen haben, liegt direkt in der Nachbarbucht vor Anker, die zwar besser in Richtung des Gletschers geschützt ist, aber dafür keine Strömung gegen Eisberge hat. Schon während der Fahrt hat Clari Vesper und Sicherheitsequipment gepackt und wir brechen kurze Zeit später auf. Winfried bringt uns mit dem Beiboot bis zum Camp Eqi, einem Feriendorf für Touristen aus aller Welt, von wo aus wir unsere Wanderung beginnen wollen. Der Weg, den wir als kleinen und unscheinbaren Trampelpfad erwartet hatten, stellt sich schnell als 1,5Meter breite Spur einer Schneeraupe heraus und dementsprechend leicht ist es auch, ihm zu folgen. Bereits nach knapp drei Stunden sind wir angekommen und blicken hinauf zu der runden Kuppe des Inlandseises. Wir wollen uns aber mit dieser Aussicht nicht zufrieden geben und klettern (zugegebenermaßen nicht ganz ohne Risiko) einen hohen Berg hinauf. Von dort oben aus haben wir endlich den ersehnten Blick auf die beinahe glatte Eisfläche, die sich mehr als 1000 Kilometer bis in den Osten durchzieht. Die Abbruchkante verläuft sich irgendwo im Tal unter uns in einem steilen Geröllfeld und ist nur über eine vorgelagerte Eisfläche zu erreichen, weswegen wir nach einem beschwerlichen Abstieg wieder zurück zum Boot aufbrechen.
Als wir kurz vor der Stadt ankommen, treffen wir den 22 jährigen Peter, der uns in „World of Greenland“ in Ilulissat ein paar Tage zuvor zahlreiche Tipps und den Wetterbericht gegeben hat. Er ist gerade auf der Jagd, hat aber noch keinen Schneehasen und auch keine „Guaguags“ (Schneehühner) erwischt. Er lädt uns ein mit ihm mit zu kommen und so kehren wir kurz bevor wir die Siedlung erreichen wieder um. Einige Stunden später kommen wir wieder zur Siedlung, wo Winfried im rasch aufziehenden Treibeisfeld bereits mit laufendem Motor auf uns wartet. Immer wieder kalbt der Gletscher hier und bringt Meter hohe Tsunamis mit sich, was zusammen mit dem Eis, das langsam wie eine geschlossene Eisdecke aussieht, ein beängstigenden Eindruck erweckt. Schnell weg hier. Kurs auf Rodebay, flucht vor dem Eis. Immer wieder donnern wir auf Eisbrocken von mehr als 30 cm Durchmesser und ununterbrochen schieben sich die kleinen Eisbrocken am Rumpf entlang. Hinter uns bildet sich eine richtige Straße ohne Eis. Auch wenn ich wegen der großen Brocken nicht sonderlich glücklich bin, freue ich mich doch über diese einzigartige Erfahrung. Als wir nach ca. einer Stunde aus dem Packeis heraus kommen und nur noch Eisberge und Growler um uns herum sind, sind wir trotzdem alle froh über die Ruhe und die Entlastung unseres GFKs.
Als wir am Nachmittag ankommen haben wir alle nur wenig geschlafen, beginnen aber direkt mit dem schon lange herausgeschobenen Ölwechsel, Öl- und Dieselfilterwechsel, Impellerwechsel(der wegen einer zu fest angezogenen Schraube verschoben wird) und der Entlüftung unserer Stopfbuchse. Als wir mit allem fertig sind ist es bereits später Abend und sowohl das Bad im Eiswasser als auch das Tauchen nach Walknochen muss verschoben werden.