Takamaka sucht neuen Eigner

 

Leider ist uns der letzte Käufer aufgrund familiärer Probleme abgesprungen, die Takamaka steht also wieder zum Verkauf. Preis 9500 Euro VB – hinterlasst bei Interesse bitte einen Kommentar oder sendet mir eine E-Mail.

Zubehör:
Großsegel, Genua I und II, Arbeitsfock, Sturmfock, Spinnaker mit Baum
Sprayhood (sollte erneuert werden) und Kuchenbude (guter Zustand), Persenning (guter Zustand)
Volvo Pentha MD 6B (10 PS) BJ 76
Furuno RO 4800 Funkgerät mit AIS Empfänger, verbunden mit Laptop zur Navigation mit NV Seekarten. Bei Interesse kann dieser mit Karten übernommen werden.
Garmin GPS (mit Funkgerät/Laptop koppelbar)
Lowrance Kartenplotter, 5,1 Zoll Display (2014)
Wetterinfobox (Wetterberichte DWD und Navtex)
Bilgepumpe, Manuell + Elektrisch
Logge, Echolot, Anemometer
1×115 Ah Verbraucher (2014, 2. Verbraucher kann angeschlossen werden), 1x 60 Ah Starterbatterie
Mastervolt Batterieladegerät
Anker, Ankerrolle am Bug (beides Niro Stahl), Bleibeschwerte Leine mit Kettenvorlauf
Beleuchtung komplett auf LED umgestellt
Dreifarbenlaterne + Ankerlaterne Lopolight (2014)
Bei Interesse kann eine “Windpilot Pacific” Windfahnensteuerung mit übernommen werden!
Gasherd, halb kardanisch (2014)
Heizung (Truma, defekt, Ersatzteil kostet ca. 250-270 Euro)
Kühlschrank
WC mit manueller Pumpe
Lüfter (2015)
Schoten, Falle, Festmacher, Fender, Ersatzteile usw.
Aluminiumgestell und Plane für das Winterlager

Bilder:

 

Reise in Bildern

Hallo zusammen, nach langer Zeit melden wir uns zurück. Für diejenigen, die sich gerne die gesammelten Bilder der Reise ansehen möchten, haben wir eine neue Seite mit allen Bildern erstellt. LINK
Achtung: Beim öffnen der Seite werden knapp 100 Megabyte geladen. Dafür müsst ihr später nicht auf einzelne Bilder warten bis sie geladen sind.

Nachtrag: Die Reise ist zu Ende

Inzwischen ist beinahe ein gesamter Monat vergangen seit wir angekommen sind. Für uns hat sich vieles verändert und es gab so manches zu organisieren, zu erledigen und abzuarbeiten. Um die Reise dennoch würdig abzuschließen möchte ich hier einen Blogeintrag nachschieben und von unseren letzten Taten und Tagen auf See berichten.
Erst verwechseln wir den Industriehafen von Grena wegen mangelhafter Navigation mit dem Sportboothafen, drehen dann doch noch rechtzeitig ab und kommen letzten Endes nach Einbruch der Dunkelheit in dem recht kleinen, schlecht beleuchteten Hafen an, der zu unserer Begeisterung jedoch nicht nur gut geschützt, sondern auch beinahe leer ist und damit eine gute Auswahl an Liegeplätzen bereit hält. Clarissa findet Internet um ihre Unikurse zu belegen und eine günstige Waschmaschine finden wir auch. Einen Tag später geht es bereits weiter durch den kleinen Belt. Wir haben Glück und erwischen eine gute Wetterperiode, machen erst sieben Knoten Fahrt auf unser ersehntes Ziel zu, bis der Wind gegen uns dreht, bald schwächer wird und wir so die Nacht über gute Fahrt unter Motor machen können. Am Ende des Belts frischt der Wind dann wieder auf und wir kreuzen noch einige Stunden bis wir endlich in Fynshav auf der dänischen Insel Als ankommen. Tagsüber sehen wir uns auf einmal mit einem völlig neuen Problem konfrontiert: Etliche Segelboote kreuzen unseren Weg und erlauben es nun definitiv nicht mehr, dass wir das Boot ohne Aufsicht fahren lassen. In Fynshav angekommen, wagen wir einen ersten Anlauf in den flachen Hafen, dessen Einfahrt in der Karte akribisch beschrieben steht. An der Oberfläche sehen wir bereits schlickartige Verunreinigungen und – wer hätte es gedacht – finden uns kurze Zeit später im weichen Schlamm wieder. Rückwärts raus, neuer Anlauf. Wieder nichts. Dann warten wir eben auf die Segler hinter uns, vielleicht kennen die ja den richtigen Weg. Unsere Warnung tut man mit lässiger Handgeste ab, dann versieht sich das deutsche Boot auch bald tief im Schlick und scheint kräftig kämpfen zu müssen. Zu meiner Verwunderung gibt der Skipper jedoch weiter Gas in Richtung des Hafens und siehe da, erst eine, dann die zweite Yacht schafft es in das tiefere Hafenbecken. Wir nehmen Anlauf und diesmal kommen wir komplett ungebremst in den Hafen, legen an und genießen die Ruhe in diesem beschaulichen kleinen Dörfchen.
Innerhalb von wenigen Stunden schaffen wir es am Tag darauf bis in die Schlei, liegen in Maasholm, wo es keinen Geldautomaten mehr gibt und wir somit auch keine Duschkarte kaufen können. Ein halbes Jahr sind wir bereits ohne Euro unterwegs. Ich trampe kurzerhand bis Kappeln und zurück während Clarissa sich bereits ans Putzen macht. Eine Aufgabe die uns bis zum 18.09. beschäftigt, schließlich wollen wir alle glänzen.
Als es endlich soweit ist und wir ablegen wollen, steht starker Wind aufs Heck unserer Takamaka. Selbst als ich vollen Schub rückwärts gebe, bewegen wir uns kaum von der Stelle und nur mit Hilfe von zwei Leinen kommen wir aus unserer Box heraus. Der Ableger verläuft nahezu ebenso scheußlich wie der darauf folgende Anleger im Heimathafen und wir können halb glücklich, halb traurig feststellen, dass dies die wohl schlechtesten Manöver des vergangenen Jahres gewesen sein müssen. Mein Bruder steht bereits an Land, weißt uns in unsere neue Box ein und ein Nachbarschiff hupt uns freundlich zum Empfang. Später kommen noch Claris Freunde zum Grillen vorbei – rundum eine gelungene Ankunft!
Über 25.000 Kilometer haben wir insgesamt zurückgelegt, Stürme durchstanden, Sonne und Eis genossen, Wale, Delfine, Moschusochsen, zahllose Vögel, Fische und Schildkröten gesehen und sind wieder heil in Deutschland angekommen. Welch ein Erlebnis, welch eine Freude!
Nun ist das große Abenteuer vorbei, viele kleinere folgen: Clarissa darf ihr Studium beenden und ich schon in wenigen Tagen mit meinem neuen Job beginnen. Wir fahren noch am nächsten Morgen in den Süden, feiern so manches Fest, packen all meinen Besitz in Kartons und genießen die Nähe zu Familie und Freunden.
Wir möchten uns ganz herzlich bei unseren Familien, bei unseren Freunden, bei unseren Lesern und auch bei unseren Sponsoren für das Interesse bedanken! Besonders herzlich möchte ich mich beim NV Verlag für die zahlreichen Karten und Bücher, die uns sicher durch die Karibik, die Nordsee und Ostsee begleitet haben, bedanken! Vielen Dank!

 

Am 23.01.2016 um 20 Uhr werden wir übrigens unseren ersten Vortrag zur Reise halten und mit den schönsten Bildern hinterlegen. Wer kommen möchte ist herzlich ins Sudhaus in Tübingen (Hechingerstraße 203, 72072 Tübingen) eingeladen. Der Eintritt ist kostenlos, der Mitarbeiter des Hauses und wir freuen uns jedoch über eine kleine Spende.

 

Ps.: Heute ist die Antwort der kanadischen Regierung auf meinen Einspruch wegen des verhängten Ordnungsgeldes (in Höhe von 1000 Kanadischen Dollar) bei mir angekommen. Dem Einspruch wurde nach erneuter Einsichtnahme der Gründe und unter der Berücksichtigung unserer Situation stattgegeben. Man entschuldigt sich förmlich für die entstandenen Unannehmlichkeiten und erbittet sich einen Zeitraum von 8 Wochen um das Geld zu erstatten. Warum nicht gleich so? Vielen Dank!

Rückkehr der Takamaka nach Kappeln

Liebe Freunde, Familie und Leser,

am Freitag, den 18.09.2015 werden wir gegen 15 Uhr in unseren Heimathafen in Kappeln (Henningsen & Steckmest, Liegeplatz 123) einlaufen. Wer vorbei schauen mag ist herzlich willkommen. Bei gutem Wetter wollen wir grillen, bei schlechtem bleibts bei Bier im trockenen.

Liebe Grüße

TAKAMAKA, Clarissa und Jonathan

 

Skagen und Bonnerup

Nach einem Tag in Christiansand geht es für uns schon weiter nach Skagen. Die gesamte überfahrt kaum Wind und die Maschine läuft durchgehend mit. Nach gut 20 Stunden erreichen wir das kleine Städtchen. Glasbläsereien, kleine Cafes und einen Friseur für mich, das sind die Highlights die uns dazu bewegen einen kompletten Tag hier zu verbringen und die 200 Kronen (30 Euro) Liegegeld zu bezahlen. Am frühen Morgen brechen wir dann wieder auf nach Greena, einer größeren Stadt auf unserem Weg in den Süden von der aus Clari ihre Kurse fürs neue Semester buchen muss. Erst kommen uns zwei Knoten Strömung entgegen, dann reißt das Vorfall. Der Wind ist gegen an und so entscheiden wir uns für einen Stopp in Bonnerup. Immerhin haben wir es bis auf wenige Meilen an Greena heran geschafft. Der Wind hält die nächste Woche über leider wenig gutes für uns bereit, daher stehen wir so wenige Meilen vor unserem Ziel erneut unter Zeitdruck.

Färöer – Norwegen

Internet, Kaffee, Supermarkt, Wasser bunkern, Familie treffen und weiter geht’s. Tatsächlich verlassen wir Torshavn schon 27 Stunden nach unserer Ankunft und lassen einen winkenden Haufen Familie am Pier zurück, deren Fähre uns schon in wenigen Minuten überholen wird. Die Wettervorhersage verspricht 25 Knoten Wind aus Nord für einige Tage und wir bereiten uns gedanklich nicht nur auf die schnellste Überfahrt unseres Lebens, sondern auch auf die direkte Weiterreise nach Norwegen vor. Sollten wir die Shetlands auslassen können und guten Wind haben, dann haben wir unseren Zeitplan bald nicht nur ein- sondern sogar überholt.
Clarissa übernimmt die erste Schicht und kämpft sich unter Motor eine Meile nach der anderen gegen die Strömung und den sehr schwachen Wind voran. Erst als ich übernehme dreht der Wind, frischt auf und erleichtert mir die Schicht, arme Clarissa. Endlich vom Wind angetrieben beginnen wir unsere rasante Fahrt auf die Shetlands hin. Fünf, sechs, sieben, acht Knoten und mehr schaffen wir beim Surfen auf den Wellen im immer stärker werdenden Wind. Nach 24 Stunden sind wir bereits bis auf 50 sm an das Nordkap der Shetlands heran gekommen, da erreicht uns der aktualisierte Wetterbericht. 40 Knoten soll es bei uns geben und leicht östlich sogar 50. Bei Nordwind sollten 40 Knoten ja kein größeres Problem darstellen, die kaputte Sturmfock sorgt trotzdem für ein äußerst unruhiges Gefühl. Was, wenn es doch mehr als 40 werden? Was, wenn die Strömung nördlich der Shetlands gegen den Wind und die Welle geht und aus den ohnehin schon hohen Wellen gefährliche Brecher macht? Einen Hafen können wir nicht mehr anlaufen bevor der Sturm einsetzt, dafür sind wir noch zu weit vom Land entfernt, uns bleibt also nur ablaufen und notfalls den Seeanker ausbringen. Solange wie möglich wollen wir Richtung Osten halten um vom Nordkap fern zu bleiben. So werden wir im Sturm wenigstens nicht aufs Land gedrückt und werden hoffentlich von den schlimmsten Strömungen verschont. Die Arbeitsfock ist bereits angeschlagen und wir kommen auch im Sturm gut weiter nach Osten. Wind aus NW mit 30, 35, 40 Knoten und bald sogar noch mehr. Um uns herum brodelt das Meer und wir schießen in die Wellentäler hinab bevor wir wieder den Berg hinauf jagen. Laut Wetterbericht sollen wir von abends bis um ca. 6 Uhr morgens Prügel bekommen, was wir uns immer wieder in den Kopf rufen, während wir die Uhr ablesen und überlegen in welcher Zeitzone es jetzt wohl 6 Uhr sein mag, immerhin ist es bei uns bereits Mittag. An sich ist das Ablaufen vor dem Wind kein Problem, ja macht oft sogar Spaß. Bei Gegenströmung wie in unserem Fall, wird die Welle jedoch sehr steil, türmt sich auf und bricht. Jedes mal wenn eine besonders hohe, steile oder brechende Welle das Boot ergreift und wir über den Kamm ins Tal schießen, verändert es unweigerlich seinen Kurs nach Luv bis wir quer zur Welle stehen und die Segel kurz flattern. Erwischt uns in einem solchen, ungünstigen Moment eine Böe, dann hat die Windsteueranlage zu wenig Kraft und Hebelarm, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Viele Male müssen wir diese Bewegungen von innen mit verfolgen, während sich unsere Muskulatur immer weiter verkrampft, je weiter wir eine solche Welle hinab gesurft sind. Den Höhepunkt der Muskelstarre erreichen wir jedes Mal dann, wenn wir gerade mit zehn Knoten durch die Wellen rutschen, noch von der vorherigen Welle quer stehen und klatsch, eine kräftige Backpfeife von der nächsten Welle bekommen. Nicht nur die Wassermassen sind gewaltig, die in einem solchen Moment auf das Boot einstürzen und sogar unseren Sprayhood-Bügel verbogen haben, nein auch der seitliche Versatz und die Krängung sind erschreckend und erinnern uns immer wieder an unseren Sturm vor Grönland. Wir haben Angst, flach aufs Wasser gedrückt zu werden. Nicht nur einmal purzeln die Bücher aus den Regalen, doch dieses Mal bleiben wir vom Kentern verschont und 12 Stunden später als erwartet lässt der Wind endlich nach. Die Wellen werden immer kleiner, während wir uns bereits einige Meilen östlich der Shetlands befinden und auf unserem Weg nach Norwegen sind. Hunderte von Bohrinseln scheinen allein zur Erleuchtung des Himmels in der Nordsee platziert worden zu sein, denen wir mit unseren (inzwischen) etwas veralteten Karten ausweichen müssen. Sollte ich mich nicht täuschen, dann scheint es als sei keine Bohrinsel mehr dort wo sie vor zwei Jahren mal war. Für eine Solo-Überquerung lässt sich dieser Teil der Reise jedenfalls nicht empfehlen, denn bei Tage sieht man die Inseln deutlich schwerer als im nächtlichen Lichtermeer. Dort schauen sie nur alle paar Minuten hinter der gewaltigen Dünung hervor, die der Wind der letzten Tage uns zurück gelassen hat.
Während des Sturmes hat unser Vorsegel immer wieder geschlagen und am Ende sogar ein paar Halsen der Windsteueranlage mitmachen müssen. Bei diesen Schlägen sind die Stagrutscher (eine Art Karabiner, die man am Vorstag einhakt um das Segel zu befestigen) losgegangen und das Segel hin nur mehr an wenigen. An einem dieser wenigen Stagrutscher muss der Zug nun zu hoch gewesen sein und es hat sich ein kleines Loch gebildet. Wir wechseln auf die Genua, der Wind ist ohnehin schwach und soll auch die kommenden Tage meist unter 20 Knoten bleiben. Erst schwach, dann bald auch wieder frisch weht die nördliche Brise über uns her und schon bald können wir das europäische Festland sehen. Mit gemischten Gefühlen wird mir klar, wie nahe ich der Rückkehr, der Heimat und dem Alltag wieder bin und immer wieder starre ich aufs Meer hinaus, wo sich der Blick im nichts verliert. Jetzt kann ich ein bisschen mehr verstehen und nachvollziehen wie und was der bekannte Segelautor Montesquien in „Der verschenkte Sieg“ berichtet hat. Die Harmonie der See ist eben doch unverkennbar.
Hundert Meilen geht es entlang der Küste Norwegens. Der Wind nimmt auf mehr als 20 Knoten zu und jagt uns wieder einmal über die Wellenberge bis ich irgendwann die Genua berge. Ein Loch. Wieder einmal ein Loch im Segel. Das Material wird langsam alt und reißt bei zu großer Belastung immer schneller. Die Genua gleicht langsam einem Flickenteppich. Die letzten Meilen also ohne Vorsegel, dann doch mit der Fock zur Unterstützung. Ankommen werden wir mitten in der Nacht oder am frühen Morgen, der Wind hat inzwischen wieder etwas nachgelassen und an schlafen will keiner denken. Inzwischen sind wir am Wind unterwegs und ich winsche das Segel dicht. Ein altbekannter Fehler, wie ich kurz darauf feststellen muss, denn der Bugkorb war im Weg. Mit Betonung auf war, denn im Segel befindet sich nun ein grässlich anzusehendes Loch. Ein Riss der Länge nach wohl um die 30 cm und ein ebenso breiter zweiter Riss quer. Zwei Segel für den Segelmacher innerhalb von zwei Tagen. Der wird sich auch seinen Teil dabei denken…
Erst im Morgengrauen laufen wir in Christiansand ein, schnappen uns einen der vielen Liegeplätze in der beinahe leeren Marina und rufen den Zoll an um einzuklarieren. Das sei nicht nötig, versichert man uns telefonisch und heißt uns willkommen zurück in Europa.

Island – Färöer

Vor der Abfahrt füllen wir noch ein letztes Mal alle Kanister und den Tank bis zum Rand mit Diesel und gehen von den letzten isländischen Kronen Schokoladenkuchen mit Erdbeeren essen. Ob die Erdbeeren wohl in den isländischen Gewächshäusern im Geo-Thermal-Gebiet wachsen durften? Ihre Frische und Süße spricht jedenfalls dafür. Wenige Minuten später sind bereits die Leinen los und noch bevor wir den Westmännischen Hafen ganz verlassen haben stehen die Segel. Wir müssen jeden Wind auskosten, das ist klar, denn für die nächste Woche ist Schwachwind angesagt. Verängstigt von dem letzten Sturm und der aktuellen Wettervorhersage, die im Süden von uns bis zu 36 Knoten verkündet, lassen wir unsere Arbeitsfock einen halben Tag länger stehen als notwendig ehe wir die große Genua setzen. So verschenken wir wertvolle Meilen und es kommt noch schlimmer, denn kaum haben wir die Genua gesetzt, verschwindet das letzte bisschen Wind. Als Trost für den verpassten Wind verabschiedet sich Island von uns mit herrlichen Nordlichtern, die anfangs nur als grauer Schleier und später in der Nacht Grün, Türkis und sogar Lila wabernd am Himmel stehen. Noch nie habe ich ein so schönes Himmelsspektakel gesehen. Es folgt ein kompletter Tag unter Motor, dann zwei oder drei Stunden segeln, wieder der Motor und so weiter. Immer wieder schütten wir Kanister in den Tank, immer wieder rechnen wir hoch wie weit der Diesel noch reicht und immer wieder kommen wir zu dem Schluss, dass uns einige, ja fast 100 Seemeilen fehlen um durch die Flaute zu motoren. Wir nutzen jeden Windhauch, segeln mit zwei Knoten Fahrt nach NO statt SO und erkämpfen uns so hin und wieder fünf Meilen, bevor sich der Wind wieder komplett verabschiedet. Als es noch 150 Seemeilen bis Torshavn sind und schon aller Diesel bis auf unsere 10 Liter Reserve für die Hafeneinfahrt im Tank sind, entschließen wir so weit wie möglich unter Motor zu laufen statt ewig auf dem Meer herum zu treiben. Die richtige Entscheidung, wie sich einige Stunden später herausstellt, als der Wind endlich zunimmt und uns die gesamte Nacht über mit ca. 20 Knoten Halbwind voran bringt. Während wir durchs Wasser schießen und die Wellen um uns herum kräftig zu brechen anfangen, müssen wir bald feststellen, dass wir uns trotz des Windes nur mit zwei Knoten auf unser Ziel zu bewegen. Die Fahrt im Wasser schätze ich auf ca. 6 Knoten, wo also sind die restlichen geblieben? Wir müssen wohl genau zur falschen Zeit angekommen sein, denn die Tidenströmung setzt gerade mit voller Kraft gegen uns, bringt die Wellen zum Brechen und uns beinahe zum Stillstand. Wir kämpfen einige Morgenstunden gegen die Tide an, bis sie endlich nachlässt, kentert und uns durch das Nadelöhr vor Torshavn Richtung Osten saugt. Morgen schon wollen wir weiter auf die Shetlands um unsere verlorene Zeit aufzuholen. Torshavn wird also nur ein sehr kurzer Stopp zum Diesel, Wasser und Energie tanken.